Martin LutherMartin Luther
vorheriges Bild Martin Luther nächstes Bild

Ganz nah – Luther erleben

Sachsen-Anhalt war Luthers Zuhause und ist das Ursprungsland der Reformation. Hier ist Martin Luther geboren, hier hat er gelebt, hier ist der große Reformator gestorben. Die Gedanken der Reformation haben Europa verändert und Anhänger in der ganzen Welt gefunden. An den Originalschauplätzen der Reformation ist noch heute Luthers Leben und Wirken zu erkunden. Ob in Lutherstadt Eisleben, Halle (Saale), Mansfeld-Lutherstadt oder Lutherstadt Wittenberg - in Sachsen-Anhalt wird Luther erlebbar.

 

Ich, Katharina von Bora, heiße Sie herzlich willkommen

Katharina von BoraSie kennen mich nicht? Meinen Mann kennen Sie mit Sicherheit: Er heißt Martin. Martin Luther. Häufig wurde ich gefragt, ob die Ehe mit einem Reformator nicht anstrengend sei. Nun, welche Ehe ist schon einfach? Bei uns gab es jedenfalls keine Langeweile ... . Ich habe Martin unterstützt, so gut ich nur konnte. Schließlich hatte ich gewusst, worauf ich mich einlasse. „Als ich Martin persönlich kennen lernte, war er bereits ein berühmter Mann. Er hatte seine Thesen angeschlagen und die Schutzhaft auf der Wartburg hinter sich, während der er die Bibel ins Deutsche übersetzte. Niemand hatte damals geahnt, was die Reformation für die Welt bedeuten wird.

Ich habe seine kritischen Schriften noch als Nonne im Kloster Nimbschen bei Grimma gelesen - das klösterliche Leben hatte ich satt. Ich habe Luther einen Brief geschrieben und konnte mit seiner Hilfe zusammen mit ein paar Ordensschwestern heimlich das Kloster verlassen. Martin brachte mich in Wittenberg bei Familie Cranach unter und an Heirat war noch nicht zu denken. Er wollte mich sogar verkuppeln. So bekannte ich, dass ich entweder ihn oder niemanden heiraten würde, und ich wurde endlich seine „Käthe“. Manchmal nannte er mich auch „Herr Käthe“, wenn er meinte, meine Durchsetzungskraft kommentieren zu müssen. 

Eine deutliche Sprache hatte Martin eben nicht nur als Prediger. Unvergesslich sind mir die Zeilen aus einem Brief, den er mir 1540 aus Weimar schickte: ‚Wir fressen, wie die Böhmen (doch nicht sehr), saufen, wie die Deutschen (doch nicht viel) - und ich wusste, dass es ihm gut geht. Unser Haushalt im alten Augustinerkloster glich einem kleinen Unternehmen. Wir lebten dort mit unseren sechs Kindern, Verwandten, Studenten, Gästen und Angestellten. Häufig ging es in unserem Esszimmer zu wie in einem Hörsaal. Martin hielt Reden und die Studenten schrieben mit. Zudem verwaltete ich neben dem großen Haushalt ein Bauerngut, betrieb ein Brauhaus und unterhielt eine Fischzucht an einem Elbarm.“

Lesen Sie mehr Zeitzeugen-Berichte in der Rubrik "Zeitzeugen"