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Von Angesicht zu Angesicht mit Julius von Pflug

Lisa Büscher hat ein lebensechtes Abbild des bedeutenden Bischofs geschaffen

In Zeitz ist derzeit anlässlich des 500. Reformationsjubiläums und des 1050. Stadtgeburtstags die Ausstellung „Dialog der Konfessionen – Bischof Julius Pflug und die Reformation“ zu sehen. Ein besonderes Highlight ist die lebensechte Figur des Protagonisten, die von der Künstlerin Lisa Büscher geschaffen wurde. Ein Besuch in ihrem Atelier soll mehr über die Entstehungsgeschichte verraten.

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Wie Madame Tussauds nur ganz anders

Lisa Büschers Studio „lifelike figures“ ist in einer Erdgeschosswohnung im Berliner Stadtteil Neukölln untergebracht. Von außen deutet nichts daraufhin, was sich im Inneren abspielt. Beim Betreten fallen einem zunächst die unzähligen an der Wand drapierten Zeitungsausschnitte von diversen Projekten auf: Ihre Figuren sind gefragt. Warum das so ist, wird klar, wenn man sich im Atelier selbst umsieht: aneinandergereihte offen stehende Münder – teils mit zerkautem Essen auf der Zunge, zwei Arme scheinen aus der Wand zu kommen und überall finden sich kleinere Körperteile, Haare, Bärte, Augen. Das alles macht einen dermaßen realen Eindruck, dass man den eigenen Augen nicht trauen will.

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„Ich habe mich von Anfang an darauf spezialisiert, so realistisch wie möglich darzustellen“, erklärt die gebürtige Münsteranerin. Die in der Ausbildung zur Maskenbildnerin erlernten Fähigkeiten habe sie mit denen des späteren Design-Studiums hervorragend kombinieren können. Die daraus hervorgegangene Kunst ihrer naturgetreuen Darstellung ist mit dem Begriff „Hyperrealismus“ gut umschrieben. Vielmehr beschreibt er die Leidenschaft der Künstlerin selbst, wie sie uns verrät: „die Imitation von Natur, insbesondere Menschen, Historisches erfahrbar zu machen, ein Auge in Auge mit historischen Persönlichkeiten zu ermöglichen“.

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Ihre Figuren sind dementsprechend vor allem in Museen gefragt und decken nahezu die gesamte Menschheitsgeschichte ab: vom Neandertaler über Figuren aus der Bibel oder Kunstwerken der Renaissance bis hin zu Persönlichkeiten der Moderne, wie etwa Salvador Dalí. In diesem Jahr reihte sich hier nun eine Figur des 16. Jahrhunderts und damit Zeitgenosse der Reformation ein: der Naumburger Bischof Julius von Pflug. Von den Vereinigten Domstiftern in Auftrag gegeben, stellt die lebensechte Nachbildung des herausragenden katholischen Bischofs das Highlight der Ausstellung „Dialog der Konfessionen“ auf Schloss Moritzburg in Zeitz dar.

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Zwischen Hyperrealismus und Wiedererkennungswert

Seit Eröffnung der Ausstellung Anfang Juni sitzt Pflug nun in einem historisch detailgetreu eingerichteten Arbeitszimmer in der von ihm gegründeten und nach ihm benannten Stiftsbibliothek. Bis dahin war es jedoch ein gutes Stück Arbeit. Ein zunächst unscheinbarer Silikonrohling musste geformt, mit etlichen Schichten Farbe und unzähligen Details wie winzige Haare, Äderchen, Blessuren und Alterserscheinungen versehen werden. „Aber man darf es mit dem Realismus auch nicht übertreiben“, erklärt Büscher, „weil man sonst die Person womöglich nicht wieder erkennt“.

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Die große Schwierigkeit einer solchen Nachbildung bestehe darin, aus einem zweidimensionalen Bild eine entsprechende dreidimensionale Figur zu rekonstruieren. Als Vorlage dienten ihr lediglich drei Gemälde und zwei Münzprägungen. Nicht selten widersprächen sich die oftmals ikonisierten Darstellungen verschiedener Künstler aber. So käme es stets auf die entsprechenden Charakteristika an: „Pflug hat auf den Bildern auffallend schmale, hohe Augenbrauen, ist für seinen Stand typisch blass mit rosigen Wangen, hat eine recht große Nase und besonders interessante Augenringe.“

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Die täuschend echte Silikonfigur des Bischofs in seinem historischen Arbeitszimmer kann noch bis zum 1. November bestaunt werden. Bis zum 22. Oktober ist auch noch die Teilnahme am Gewinnspiel „Selfie mit Bischof Julius Pflug“ möglich.