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Marienbibliothek

Die Marienbibliothek ist die älteste und größte evangelische Kirchenbibliothek Deutschlands, die ununterbrochen der Öffentlichkeit zugänglich war. Im Hinterhof an der Marktkirche 1 versteckt sich das zweistöckige Gebäude. 

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Sebastian Boetius, Oberpfarrer der St. Marienkirche, der heutigen Marktkirche „Unser Lieben Frauen“, gründete die Bibliothek 1552 und kaufte dafür aus einer Spende zunächst einige Bücher. Durch folgende Ankäufe und Schenkungen konnte dieser Anfangsbestand schnell umfassend erweitert werden. So wurde die Marienbibliothek auch von Studenten und Professoren der neu gegründeten Universität genutzt: Bis zur Gründung der Universitätsbibliothek Halle im Jahr 1696 war die Marienbibliothek zudem die einzige öffentliche Büchersammlung der Stadt.

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Heute umfasst der Bestand etwa 30 000 Bände aus der Zeit vom 15. bis 18. Jahrhundert. Neben 600 Inkunabeln (Drucke aus der Zeit vor 1500) finden sich Werke aller Wissensgebiete und umfangreiche Sammlungen von Flugschriften aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Besonders interessant sind sicherlich die Lutherbibeln mit handschriftlichen Eintragungen des „großen Reformators“.

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Die Bibliothek gleicht einer Filmkulisse. Auf drei platzsparenden Etagen erstrecken sich die Regale voll mit dicken Lederbänden aus vergangenen Zeiten. Mittels gusseiserner Stürze und Eisenroste wurden Zwischenböden eingezogen und ein französisches Magazinsystem gebaut. Hier und da könnte sich auch noch so mancher Schatz verstecken. Die Katalogisierung ist nämlich noch nicht vollständig abgeschlossen.

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Im Eingangsbereich der Bibliothek hängt ein Wandbild. Es ist die vergrößerte Reproduktion eines Ölgemäldes aus dem Jahre 1680 und zeigt die früheste bekannte Ansicht der Marienbibliothek. Fällt jemandem etwas auf dem Bild auf?

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Neben den Lutherbibeln gibt es unglaublich viele andere interessante Bücher zum Reformator und seinem Schaffen. Schriften, gesammelte Werke, Briefwechsel und vieles mehr.

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Nachdem wir uns kurz in Ruhe in der Bibliothek umsehen konnten, steht schon die erste Führung an. „Auf Luthers Spuren” ist eine Reisegruppe aus der Schweiz heute in der Marienbibliothek angemeldet.

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Anke Fiebiger, Leiterin der Marienbibliothek, führt die Gruppe durch die Räumlichkeiten, greift gezielt hier und da mal ein Buch heraus und erzählt eine Geschichte dazu. 

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Bei größeren Gruppen wird es schon ein wenig eng in den schmalen Bibliotheksräumen. Dank des Magazinsystems hat aber jeder freie Sicht.

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Urs Bader aus Amriswil (Schweiz) sammelt selbst „alte Schinken“ und war sehr angetan von der Marienbibliothek, ihren Räumlichkeiten und auch den vielen Lutherwerken. „Ich persönlich finde das Reformationsjubiläum spannend, weil es ein Übergang, weg von einer elitären Lesekultur, zu einem intelligenten Volk war.“

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Noch einmal zum Ölgemälde: Direkt unter der Marktkirche steht eine Leiter. Aber lehnt sie an der Marktkirche? Oder steht sie frei auf dem Marktplatz? „Wahrscheinlich ist der Maler nicht fertig geworden, wer weiß was da noch hätte stehen sollen”, meint Anke Fiebiger.

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