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Wimmelburg – Klosterkirche St. Cyriacus

In dem kleinen Ort Wimmelburg befand sich einst ein Benediktinerkloster. Im 11. Jahrhundert gegründet, wurde es im Bauernkrieg 1525 geplündert. Anfang 1680 zerstörte ein Großbrand fast die gesamte Klosteranlage. Mit dem Kloster verbindet sich eine Geschichte, die Martin Luther in einer seiner Tuschreden überliefert. Die Mönche des Klosters besaßen ein „Cyriacus-Glöckchen“, dem man im Mittelalter besondere Heilkräfte zuschrieb. Luther habe hier selbst einmal, so berichtete er seinen Tischgenossen, als „junger Mensch“ eine Teufelsaustreibung miterlebt.

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Zwei Kilometer südwestlich von Luthers Geburtsstadt Eisleben liegt der kleine Ort Wimmelburg. Hier befand sich einst ein Benediktinerkloster, das um 1060/70 gegründet und nach 1121 an die heutige Stelle verlegt wurde. Um 1170 begann der Bau der Klosterkirche. Ab dieser Zeit stand das Kloster auch unter Schutzherrschaft der Mansfelder Grafen, die dann ab 1311 auch die Vogteirechte über das Kloster ausübten, also als dessen weltliche Vertreter auftraten. Mit der Teilung der Grafschaft Mansfeld im Jahr 1501 war Graf Albrecht IV. von Mansfeld-Hinterort für das Wimmelburger Kloster zuständig.

Eine Zäsur in der Geschichte des Klosters markierte der Bauernkrieg, denn Anfang Mai 1525 wurde das Kloster durch „die pauern und lose leuthe“ geplündert und teilweise auch zerstört. Kurz darauf erfolgten die Säkularisierung des Klosterbesitzes und die Umwandlung in ein gräfliches Amt. Nach zahlreichen Besitzerwechseln entstand hier Ende des 18. Jahrhunderts ein kursächsisches Landgut (Domäne), das 1813 in preußischen Besitz kam.

Am 10. Januar 1680 hatte ein Brand den Großteil der Klosteranlage zerstört. Von der ursprünglich dreischiffigen Basilika blieb nur die Vierung, der Chor mit Apsis, der nördliche und südliche Nebenchor sowie das nördliche Querhaus erhalten. Die baulichen Reste wurden wenige Jahre später zu der heute noch vorhandenen Pfarrkirche ausgebaut.

Während des Brandes war auch das weithin bekannte Cyriacus-Glöckchen zerschmolzen, dem man im späten Mittelalter besondere Heilkräfte zuschrieb. Der Schutzpatron der Klosters, der heilige Cyriacus, soll die Gabe besessen haben, psychisch Kranke heilen zu können. Der Überlieferung nach hatte er einer römischen Königstochter den Teufel ausgetrieben. Das Wimmelburger „Silberglöckchen“ lockte daher Scharen von Kranken, vor allem Epileptiker an, die sich von dem Klang des Glöckchens eine Gesundung ihrer Beschwerden versprachen. Die Mansfelder Lokalgeschichtsschreibung des späten 19. Jahrhunderts berichtet, „dass in der katholischen Zeit starke Wallfahrten nach Wimmelburg stattfanden […]. Eine Zeit lang lagerte sich daher täglich eine große Anzahl Leidende auf den das Kloster umgebenden Höhen und wartete auf das Vespergeläut, um die heilende Wirkung desselben teilhaftig zu werden, ein Aberglaube, dessen Luther in seinen Tischreden tadelnd gedacht hat.“

Unter Wallfahrten versteht man religiös motivierte Reisen zu bestimmten heiligen Orten, mit denen man einen Ablass, also den Erlass von Fegefeuerstrafen, oder die Linderung von Gebrechen erlangen konnte. Für Luther waren Wallfahrten nichts anderes als Teufelszeug. Er lehnte Wallfahrten als „Abgötterei“, „eittel menschen tand“ oder als „meisterlichen beschiss“ ab. Für ihn war der Glaube die „rechte Wallfahrt“, denn nur durch ihn fand der Mensch Erlösung.

In Luthers Polemik gegen die Heiligenverehrung und die Wallfahrten spielten persönliche Erfahrungen eine wichtige Rolle. Luther hat als Jugendlicher auch einmal eine Teufelsaustreibung in Wimmelburg miterlebt. In einer Tischrede nimmt er darauf Bezug: „Also begab sichs auch in Sanct Cyriac Kirche im Kloster zu Weimelburg, nicht weit von Eisleben gelegen, dahin ein große Wallfahrt und Zugelauf war, daß ein Mönch, ein guter Zechbruder, einem besessenen Menschen gebot, daß er den Mund aufthät, ihn zween Finger ließ hinein legen, und ihn doch nicht beißen sollt. Das geschah also. Auch gebot er dem Teufel, daß er sollte ausfahren, wenn man Sanct Cyriac Glöcklin läuten würde. Das thät der Schalk auch, auf daß der das arme Volk in dem Wahn und Irrthum stärkte, das Glöcklin wäre so heilig, daß der Teufel zu seinem Klang ausfahren musste, und also den Glauben an Christum gar vertilgete.“

Auch der lutherische Theologe Cyriakus Spangenberg berichtete im Vierten Teil seiner „Mansfeldischen Chronica“, über diese Teufelsaustreibung. Dabei bezog er sich ausdrücklich auf Martin Luther. Ob Wimmelburg aber tatsächlich ein mittelalterlicher Wallfahrtsort war, ist in der Wallfahrtsforschung umstritten, denn neben Luthers Aussagen finden sich dazu keine anderen Quellen.

Auch über die Frage, wann Luther in Wimmelburg war und den hier vollzogenen Exorzismus miterlebt hat, gibt es keine eindeutigen Aussagen. In einer Predigt vor den anhaltischen Fürsten aus dem Jahr 1534 heißt es: „Ich habe selbst als junger Mensch es gesehen, nicht fern von Eisleben, da war ein Ort, an dem St. Cyriakus gnädig war. Dahin pflegte man die Besessenen zu schicken…“ Luther wird in seiner Selbstbeschreibung als „junger Mensch“ wahrscheinlich zwischen 8 und 14 Jahre alt gewesen sein, womit sein Aufenthalt in Wimmelburg ungefähr in die Jahre 1491 bis 1497 zu datieren wäre. Außerdem besaß Luthers Vater in unmittelbarer Nähe des Klosters, im Goldbachgrund, Hütten und Bergwerke, die der junge Luther möglicherweise besucht hat. Hat er vielleicht auf dem Weg dorthin die Teufelsaustreibung gesehen?  

Literatur

Die Kunstdenkmale des Mansfelder Seekreises, bearbeitet von Hermann Größler und Adolf Birnkmann unter Mitwirkung von Gustav Sommer. Nachdruck der Ausgabe von 1895, Halle (Saale) 2000.

Hartmut Kühne: „die do lauffen hyn und her, zum heiligen Creutz zu Dorgaw und tzu Dresen…“ Luthers Kritik an Heiligenkult und Wallfahrten im historischen Kontext Mitteldeutschlands, in: Andreas Tacke (Hrsg.): „Ich armer sundiger mensch“ Heiligen- und Reliquienkult am Übergang zum konfessionellen Zeitalter, Göttingen 2006, S. 499-523.

Öffnungszeiten

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Die ehemalige Klosterkirche kann nach Voranmeldung beim Kirchengemeindeverband Helbra besichtigt werden.
 
Kontakt:
 
Kirchengemeindeverband Helbra
Kirchstraße 4
06311 Helbra
Telefon: 034772 / 27449
E-Mail: inf2Djbwo@kogv-hhelUR1OvbraaVW.deLET