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Magdeburg - Klosterkirche St. Augustini

Die Kirche St. Augustini war ursprünglich Teil des 1285 in Magdeburg gegründeten Klosters der Augustiner-Eremiten. Die Kirche wurde 1366 durch Erzbischof Dietrich von Magdeburg geweiht. Martin Luther hatte 1497/98 seine Schulzeit in Magdeburg verbracht. Danach besuchte er mindestens zwei weitere Male die Stadt. Dabei hielt er sich jeweils im Magdeburger Augustinerkloster auf: 1516 in seiner Funktion als Distriktvikar der sächsisch-thüringischen Augustinerklöster und 1524, als er vom Magdeburger Bürgermeister Nicolaus Sturm nach Magdeburg gerufen wurde, um der reformatorischen Bewegung in der Elbestadt zum Durchbruch zu verhelfen.

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Das Magdeburger Augustinerkloster war ein bedeutender mittelalterlicher Studienort. Es besaß eine reichhaltige Handschriften-Bibliothek, die 1355 angelegt und über die Jahre hinweg stetig vermehr wurde. Nach Gründung der Wittenberger Universität 1502, an der die dortigen Augustiner maßgeblich beteiligt waren, sind zahlreiche Mitglieder des Magdeburger Konventes als Studenten in Wittenberg nachweisbar. Zu ihnen gehörte auch Nikolaus Marten, der sein Studium 1519 mit dem Magister Atrium abschloss und zu einem der Wegbereiter der Reformation wurde.

Martin Luther hatte das Magdeburger Augustinerkloster schon Anfang Juni 1516 besucht. Ein Jahr zuvor, im Mai 1515, war Luther auf dem Kapitel der sächsischen Reformkongregation der Augustiner-Eremiten in Gotha zum Distriktvikar der mitteldeutschen Augustinerklöster gewählt worden. Ihm unterstanden damit zehn Klöster, in denen er die Finanzen und die Einhaltung der Ordensregeln zu überwachen hatten. Dazu gehörten u.a. die Klöster in Dresden, Erfurt, Herzberg, Nordhausen und eben auch Magdeburg. Auf seiner ersten Visitationsreise im Frühjahr/Sommer 1516 machte Luther auch in der Elbestadt Station. Anders als dies beispielsweise in Erfurt der Fall, gab es im Magdeburger Kloster aber offenbar keinen Grund zu Beanstandungen, weshalb sein Aufenthalt nur wenige Stunden dauerte.

Aufgrund der geografischen Nähe zu Wittenberg und der engen Verbindungen zwischen dem Magdeburger Konvent und Luther fanden dessen reformatorische Ideen hier schnell Anklang. Bereist 1521 hielten die Augustiner Johann Vogt und Melchior Miritsch evangelische Predigten; Miritsch übernahm im Juli 1524 als evangelischer Prediger das Pfarramt der St. Johanniskirche.

Die Reformation hatte viele Anhänger in der Bürgerschaft gefunden, was aufgrund des Widerstandes der Altgläubigen Tumulte auslöste. Die Situation drohte zu eskalieren, weshalb Luther im Juni 1524 auf persönlichen Wunsch des Magdeburger Bürgermeisters Nicolaus Sturm in die Stadt gerufen wurde. Luther wohnte während seines Aufenthaltes im Augustinerkloster, wo er – nach lokaler Überlieferung – am 24. Juni 1524 auch predigte. Eine weitere Predigt hielt er am 26. Juni in der St. Johanniskirche.

Luther besprach mit den evangelisch gesinnten Politikern der Stadt nicht nur die Modi zur Einführung der Reformation, er wirkte auch bei der Auflösung des Augustinerklosters mit. Das Kloster und die daran geknüpften Güter und Privilegien wurde dem Rat der Magdeburger Altstadt übergeben. Das Klostergebäude beherbergte zunächst das 1524 gegründete altstädtische Gymnasium, seit 1562 wurde es als Hospital, später als Waisenhaus genutzt. Die Belagerung der Stadt 1550/51 sowie den 30jährigen Krieg überstand die Klosteranlage fast unbeschadet, allerdings führten durch Vernachlässigung entstandene Schäden im 17. Jahrhundert zu einem teilweisen Einsturz des Kirchengebäudes. 1689 wurde die Ruine reformierten Glaubensflüchtlingen aus der Wallonie übergeben. Ab 1694 feierte die Wallonisch-reformierte Gemeinde in der wiederhergestellten Kirche Gottesdienst. Seither wird sie als „Wallonerkirche“ bezeichnet.

Nach den schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg und dem seit den 1960er Jahren erfolgten Wiederaufbau wird die Wallonerkirche heute von der Evangelischen Altstadtgemeinde und der Evangelisch-reformierten Gemeinde Magdeburg als Gotteshaus und Gemeindezentrum genutzt.

Literatur

Theodor Kolde: Die deutsche Augustiner-Congregation und Johann von Staupitz. Ein Beitrag zur Ordens- und Reformationsgeschichte. Gotha 1879.

Adalbero Kunzelmann: Geschichte der deutschen Augustiner-Eremiten. Fünfter Teil: Die sächsisch-thüringische Provinz und die sächsische Reformkongregation bis zum Untergang der beiden. Würzburg 1974.

Maren Ballerstedt / Gabriele Köster / Cornelia Poenicke (Hrsg.): Magdeburg und die Reformation. Teil 1: Eine Stadt folgt Martin Luther [Magdeburger Schriften, Bd. 7]. Halle/Saale 2016.

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten:

Eine Besichtigung der Wallonerkirche ist nach vorheriger Absprache möglich. Bitte kontaktieren sie dazu das Gemeindebüro der Evangelisch-reformierten Gemeinde.

Kontakt:

Gemeindebüro
Neustädter Straße 8
39104 Magdeburg
Telefon: 0391 / 59751080
E-Mail: bureau@XTekmd-reDformierht.devZ
Internet: http://www.ekmd-reformiert.de