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Lutherstadt Wittenberg – Melanchthonhaus

In der Wittenberger Collegienstraße – unweit von Luthers Wohnhaus und den Gebäuden der Universität Leucorea – steht ein Haus, das durch seinen markanten, mit Rundbögen abgeschlossenen Giebel auffällt. Hier wohnte Philipp Schwarzerdt, der 1497 in Bretten geboren wurde. Er hatte ab 1508 die Lateinschule in Pforzheim besucht und dort, einer humanistischen Tradition folgend, seinen ins Griechische übersetzten Nachnamen Melanchthon (Melan = schwarz / chthon = Erde) erhalten. 1509 begann er ein Studium in Heidelberg, das er 1512 in Tübingen fortsetzte. Schon 1514, also mit 17 Jahren, erwarb er den akademischen Grad eines Magisters. 1518 kam er nach Wittenberg und gehörte bald zu den engsten Vertrauten Martin Luthers.

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1518, gerade einmal 21 Jahre alt, wurde Melanchthon auf den Lehrstuhl für griechische Sprache an die 1502 von Kurfürst Friedrich dem Weisen gegründete Universität berufen. Mit seiner am 28. August 1518 gehaltenen Antrittsvorlesung „Über die Verbesserung der Studien“ legte Melanchthon ein umfassendes Programm zur Reform des traditionellen Bildungswesens vor. Schon von seinen Zeitgenossen wurde er deshalb als „Praeceptor Germaniae“ – als Lehrer Deutschlands – gefeiert. Auch Martin Luther nahm den 13 Jahre jüngeren Kollegen euphorisch auf. „Unser Philipp Melanchthon ist ein wunderbarer Mensch, ja einer, an dem fast alles übermenschlich ist, er ist mir dennoch ganz vertraut und befreundet“, schrieb Luther im Dezember 1518. Luther war es auch, der Melanchthons Wechsel an die Theologische Fakultät betrieb, wo er 1519 zum Baccalaureus biblicus promivierte. „Dieser kleine Grieche übertrifft mich sogar in der Theologie“, schwärmte Luther in einem Brief an Johannes Lang vom 18. Dezember 1519.

Als Melanchthon nach Wittenberg kam, stand auf dem Grundstück des heutigen Melanchthonhauses noch ein einfaches Fachwerkhaus, das der neu berufene Professor kurz nach seiner Ankunft bezog. Im November 1520 heiratete Melanchthon die Wittenberger Bürgerstochter Katharina Krapp. In seinem Haus nahm Melanchthon Studenten auf und richtete zur Förderung von Studienanfängern eine Hausschule ein. Melanchthon galt als guter Gastgeber. Oft weilten Wittenberger Freunde und Kollegen wie Martin Luther, Nikolaus von Amsdorf, Justus Jonas oder Johannes Bugenhagen bei ihm. Auch offiziellen Besuchern, die aus aller Herren Länder nach Wittenberg kamen, stand das Haus offen. Melanchthon selbst bemerkte einmal, an seinem Tisch seien elf Sprachen gesprochen worden. 

Um Melanchthon dauerhaft in Wittenberg zu halten, ließ Kurfürst Johann Friedrich ab 1536 das heute noch vorhandene Renaissancehaus erbauen. Die Hälfte der Baukosten von etwa 1.000 Gulden übernahm der Kurfürst selbst, die andere steuerte die Universität bei. Im Erdgeschoss des Hauses befanden sich die Küche und der Speisesaal. Darüber lag im ersten Obergeschoß Melanchthons Studierzimmer. Dieser Raum wurde 1897, nachdem der preußische Staat das Haus schon 1845 erworben hatte, im „altdeutschen“ Stil museal ausgestattet. Von den ursprünglichen Einrichtungsgegenständen blieben das Ruhebett, die Bank vor dem Ofen sowie das Handwaschbecken erhalten. Der Kachelofen ist die Kopie eines im 16. Jahrhundert entstandenen Originals.     

Neben seiner universitären Lehrtätigkeit war Melanchthons Tag vor allem mit Schreiben ausgefüllt. Er führte eine intensive und von ihrem Umfang kaum vorstellbare Korrespondenz. Als „Außenminister der Reformation“ hat er über 9.500 Briefe verfasst. Hinzu kommen unzählige Schriften, von denen besonders zwei herausragen: die als systematisches Lehrbuch des Luthertums angelegten „Loci communes rerum theologicarum…“ von 1521 sowie die 1530 auf dem Reichstag zu Worms in Anwesenheit Kaiser Karl V. verlesene Bekenntnisschrift der Protestanten, die „Confessio Augustana“. Insgesamt hat Melanchthon mehr als 2.000 Bücher geschrieben, was ihm eine hohe Wertschätzung einbrachte. „Ich habe Magistri Philipps Bücher lieber denn die meinen“, meinte Luther respektvoll. Diese Anerkennung beruhte auf Gegenseitigkeit und sie prägte das intensive, fast 28 Jahre dauernde Arbeitsverhältnis der beiden Gelehrten. Dennoch blieb ihre Beziehung nicht frei von Konflikten und Verletzungen. Das lag nicht nur an unterschiedlichen Ansichten in theologischen Fragen, sondern auch an ihren unterschiedlichen Charakteren: dem zurückhaltenden und auf diplomatische Vermittlung bedachten Melanchthon stand der oft laut polternde, cholerische und eine deftige Sprache gebrauchende Luther gegenüber.

Melanchthon blieb Luther auch über dessen Tod hinaus verbunden. Er hielt in der Wittenberger Schlosskirche im Februar 1546 eine Trauerrede auf den verstorbenen Reformator, die auch eine erste biografische Würdigung Luthers enthielt. Als Katharina von Bora mit ihren Kindern nach Ausbruch des Schmalkaldischen Krieges im Frühjahr 1547 aus Wittenberg floh, wurde die Familie von Melanchthon begleitet. Melanchthon starb 1560 in Wittenberg. Seine letzte Ruhestätte fand er neben dem Grab Martin Luthers in der Wittenberger Schlosskirche.

Das ehemalige Wohnhaus Melanchthons gehört heute zur Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Seit 1996 steht es auf der Liste der UNESCO-Welterbestätten. Das 2013 durch einen modernen Ausstellungsanbau ergänzte Gebäude lädt dazu ein, Leben, Werk und Wirkungsgeschichte des neben Martin Luther wichtigsten Reformators zu entdecken.  

Literatur

Treu, Martin: Philipp Melanchthon. Leben – Werk – Wirkung. Ein Rundgang durch die Ausstellung im Melanchthonhaus. Wittenberg 2014.

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten:
 
April bis Oktober
täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr
 
November bis März
Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr
 
Kontakt:
 
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
Besucherservice Lutherhaus
Collegienstraße 54
06886 Lutherstadt Wittenberg
Tel: 03431 / 420 31 18
E-Mail: luthervqhaus@mhdFmwartinlzAuther.SUsde9w1M
Internet: www.martinluther.de