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Lutherstadt Eisleben - Museum "Sterbehaus"

Am 18. Februar 1546 war Luther in einem Haus am Markt in Eisleben gestorben. Unmittelbar nach seinem Tod wurde dieses Haus mit einer Inschrift versehen und mit einem Lutherportrait gekennzeichnet. Interessierte Besucher konnten darin Luthers Sterbezimmer mit seinem Bett und seinem Becher besichtigen. Der authentische Sterbeort Luthers geriet später in Vergessenheit und eine Verwechslung im 18. Jahrhundert führte dazu, fortan das Haus am Andreaskirchplatz 7 für Luthers Sterbehaus zu halten. Hier befindet sich seit dem späten 19. Jahrhundert eine Luthergedenkstätte, die 2013 umfangreich saniert und durch einen modernen Funktionsanbau erweitert wurde.

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Den Eisleber Stadtchronisten Eusebius Christian Francke trifft keine Schuld! Als er 1726 über den Tod Martin Luthers schrieb, war das eigentliche Sterbehaus niemandem mehr bekannt. Aus dem von Justus Jonas verfassten Sterbebericht über Luther konnte man erfahren, dass der Reformator in „Dr. Drachstädts Haus“ verstorben war. Franke nahm deshalb an, es handele sich hierbei um das Haus am heutigen Andreaskirchplatz 7, das sich tatsächlich im Besitz der Familie Drachstedt befand. Was Francke nicht wissen konnte: die Drachstedts besaßen noch ein weiteres Haus in der Eisleber Innenstadt. Hier beginnt die Geschichte einer komplizierten Verwechslung:

Am Anfang steht der Hüttenmeister Tyle Rinck. Rinck hatte um 1500 ein Haus am Markt gebaut, das nach dessen Tod 1517 in den Besitz seines Schwiegersohnes, Dr. Philipp Drachstedt, überging. Philipp besaß noch ein weiteres Haus in Eisleben, das sich gegenüber der St. Andreaskirche befand und vermutlich einst seiner Schwiegermutter Gertrud gehört hatte. Dieses Haus bewohnte ab 1532 sein Sohn Bartholomäus.

Das Haus am Markt, indem sich heute das Hotel „Graf von Mansfeld“ befindet – der tatsächliche Sterbeort Luthers – wurde von Dr. Philipp Drachstedt an seinen Schwiegersohn, den Hüttenmeister Hans Stahl vererbt. Als sich dieser verschuldete, kam das Haus in den Besitz des Grafen Bruno II. von Mansfeld-Bornstedt. Der Graf ließ das Gebäude jedoch zu großen Teilen abreisen und errichtete dort nach 1570 ein Stadtschloss mit Kanzlei. Die baulichen Veränderungen ließen den eigentlichen Sterbeort Luthers langsam in Vergessenheit geraten. Außerdem hatte sich um Luthers Sterbemöbel eine Art Reliquienkult entwickelt, der lutherische Theologen 1707 dazu veranlasste, diese zu vernichten. Dass im Bericht von Jonas mit „Dr. Drachstädt“ nicht Bartholomäus, sondern dessen Vater Philipp Drachstädt gemeint war, konnte Franke nicht mehr wissen.

Zunächst hatte diese Verwechslung keine Folgen. Erst als der preußische König Wilhelm I. das Haus am Andreaskirchplatz 7 (Nr. 20) erwarb und seinen Provinzialbaumeister Friedrich August Ritter mit dem Umbau des Gebäudes zu einer Luthergedenkstätte beauftragte, kam es zu erheblichen baulichen Veränderungen. Ganz im Geiste des Historismus wollte Ritter dem 16. Jahrhundert so nahe kommen wie möglich. Das Einfügen von lutherzeitlichen Stil- und Bauelementen wie Butzenscheiben, Fachwerk und Holzvertäfelungen gehörte ebenso dazu wie eine Neugliederung der Raumaufteilung.

Um die künftigen Ausstellungsräume zu füllen, gründeten Eisleber Bürger eine „Luther-Festspielgesellschaft“. Ziel dieser Gesellschaft war es, Spenden für die Ausstattung des Sterbehauses zu sammeln. Ein bedeutendes Objekt, das so angeschafft werden konnte, war das Bahrtuch Martin Luthers. Die künstlerisch-stilgerechte Ausgestaltung der Räume übernahm Friedrich Wilhelm Wanderer, der schon das Dürerhauses in Nürnberg eingerichtet hatte. So wie Ritter griff auch Wanderer bei der Umsetzung seiner Ideen auf die historischen Sterbeberichte zurück.

Die neue, 2013 eröffnete Dauerausstellung des Museums „Luthers Sterbehaus“ mit dem Titel „Luthers letzter Weg“ konzentriert sich auf die letzten Lebenstage Luthers und auf seinen Tod. Sie erweitert das Thema mit der für alle Menschen relevanten Frage nach dem eigenen Umgang mit dem Tod.

Literatur

Andreas Stahl: Cyriakus Spangenberg als Chronist. Zur Authentizität des Sterbehauses von Martin Luther, in: Stefan Rhein / Günther Wartenberg (Hrsg.): Reformatoren im Mansfelder Land. Erasmus Sarcerius und Cyriakus Spangenberg [Schriften der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Bd. 4]. Leipzig 2006, S. 191–216

Martin Steffens: Luthergedenkstätten im 19. Jahrhundert. Memoria – Repräsentation – Denkmalpflege. Regensburg 2008, S. 93–144.

Jochen Birkenmeier: Luthers letzter Weg. Ein Rundgang durch Luthers Sterbehaus. Lutherstadt Wittenberg 2013.


Öffnungszeiten

Öffnungszeiten:

April bis Oktober
Montag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr

November bis März
Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr

Kontakt:

Luthers Sterbehaus
Andreaskirchplatz 7
06295 Lutherstadt Eisleben
Tel.: 03475 / 714 78 40
E-Mail: sterbehLtdTqaus@mar5ftinluthLYer.detphGX
Internet: www.martinluther.de