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Halle - Marktkirche "Unser Lieben Frauen"

Urprünglich befanden sich auf dem Hallenser Marktplatz zwei romanische Kirchen. Diese wurden 1529 bis auf die Türme abgebrochen. Zwischen den Türmen entstand ab 1530 die noch heute vorhandene Marktkirche „Unser Lieben Frauen“. Lange Zeit konnte sich die Reformation nicht in Halle durchsetzten, denn seit 1514 residierte Kardinal Albrecht von Brandenburg, der Erzbischof von Magdeburg und Mainz, in der Stadt. Er war ein Gegner der Reformation. Erst als Albrecht 1541 Halle verließ, konnte mit Justus Jonas der erste evangelische Pfarrer an die Marktkirche berufen werden. Luther selbst hat in den Jahren 1545 und 1546 drei Mal in der Kirche gepredigt.   

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Die spätgotische Marktkirche St. Marien gehört zu den Wahrzeichen der Stadt Halle. Mit ihren vier mächtigen Türmen prägt sie bis heute das Stadtbild. Die Türme gehörten ursprünglich nicht zum Kirchengebäude, sondern zu zwei kleineren romanischen Kirchen – St. Gertruden im Westen und St. Marien im Osten. Der Beschluss, diese Kirchen abzubrechen und zwischen den beiden zu bewahrenden Turmpaaren einen großen Kirchenneubau zu errichten, fiel im Mai 1529. Die Entscheidung wurde von dem seit 1514 in Halle residierenden Kardinal Albrecht von Brandenburg, dem Erzbischof von Magdeburg und Mainz, maßgeblich beeinflusst. Zwar waren die beiden Kirchengemeinden zunächst gegen eine Zusammenlegung ihrer Kirchen, da aber die Stadt Halle die Baukosten übernahm, stimmte man dem Plan schließlich doch zu. Kardinal Albrecht war es damit als Stadt- und Landesherren gelungen, im Zentrum Halles mit einer repräsentativen Kirche ein deutliches Zeichen gegen die sich in der Stadt ausbreitende Reformation zu setzen.   

Der Bau der Kirche wurde von dem seit 1528 in Halle beschäftigten Ratswerkmeister Caspar Krafft begonnen. Nach dessen Tod 1540 übernahm der aus Pirna stammende Nickel Hoffman die Aufsicht über die Bauarbeiten, die in den 1550er Jahren abgeschlossen waren. Krafft hatte die neue Kirche mit ihren beeindruckenden Rippennetzgewölben zwar noch als katholisches Gotteshaus konzipiert, ihr einfacher Grundriss und die von Beginn an geplanten Emporen kamen der Nutzung als lutherische Stadtkirche aber entgegen.

Aus der Zeit vor der Reformation existiert noch ein bronzenes Taufbecken, das 1430 von Ludolf von Braunschweig und dessen Sohn in Magdeburg gegossen wurde. Auch der vom Cranach-Schüler Simon Franck geschaffene große Marienaltar im Osten der Kirche gehörte zur vorreformatorischen Ausstattung. Der 1529 vollendete Altar war von Kardinal Albrecht in Auftrag gegeben worden. Bei vollständiger Öffnung zeigt er die Mutter Gottes als Himmelskönigin, zu ihren Füßen kniet Albrecht als Stifter.

Erst als Kardinal Albrecht im Februar 1541 aufgrund seiner immensen Schulden Halle verließ, konnte sich die Reformation vollends in der Stadt durchsetzten. Justus Jonas, ein enger Freund Luthers, wurde zum Pfarrer der Marktkirche St. Marien berufen. Am Karfreitag 1541 predigte er dort erstmals. Dieses Datum markiert die Einführung des neuen Glaubensbekenntnisses in der Stadt. Ein Portrait von Justus Jonas befindet sich an einem der nördlichen Pfeiler im Kirchenschiff.

Beim Besuch der Kirche fällt auf, dass die umlaufenden Renaissanceemporen ganz ohne Bilder auskommen. Das reiche Maßwerk und Rankendekor der Brüstungen wird jedoch durch Bibelverse in deutscher Sprache ergänzt, welche die Verkündigung des neuen Glaubens ganz im Sinne Martin Luthers visualisieren.

Der Reformator hat in der Marktkirche auch selbst drei Predigten gehalten, die erste nachweislich am 5. August 1545. Die beiden anderen Predigten fanden am 6. und 26. Januar 1546 statt. Sie standen jeweils in Verbindung mit Reisen Luthers nach Mansfeld und Eisleben. Luther nahm bei seinen Aufenthalten in Halle stets Quartier bei Justus Jonas, der im „Goldenen Schlösschen“, in der heutigen Schmeerstraße 2 wohnte.       

Nachdem Luther am 18. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben gestorben war, wurde sein Leichnam auf Anweisung des Kurfürsten Johann Friedrich nach Wittenberg überführt. Unterwegs wurden in den Dörfern die Glocken geläutet. Am 20. Februar 1546 gegen 5 Uhr nachmittags erreichte der Trauerzug die Stadtgrenze von Halle. „Und da man etwas der stadt genahet, da sind auch heraus weit uber den Steinweg burger und burgerin entgegen kommen“, heißt es in dem von Justus Jonas mitverfassten Sterbebericht. Der Sarg wurde sodann in die voll besetzte Marienkirche gebracht, in der die Mitglieder der Kirchengemeinde den Psalm „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ mit „kleglicher gebrochen stimm mehr heraus geweint denn gesungen haben. […] Und man hat also eilend die leich in die sacristei tragen lassen und die nacht mit etlichen burgern bewachen.“

In der nordwestlichen Turmkammer der Marienkirche werden seit 2006 in einer Großvitrine Wachsabformungen von Luthers Gesicht und seinen Händen gezeigt. Sie sollen auf der Totenmaske beruhen, die man ihm auf seinem Totenbett in Eisleben abnahm. Allerdings ist in den Berichten über Luthers Tod die Abnahme einer Totenmaske nicht belegt, weshalb ihre Authentizität bestritten wird. Erstmals erwähnt wurde die Anfertigung eines Bildnisses aus Wachs im Jahr 1663. Die Wachsabformungen gehörten lange Zeit zu einer lebensgroßen Schaufigur, die den sitzenden Reformator als Gelehrten zeigte und in den 1930er Jahren aufgrund des schlechten Erhaltungszustanden als „Lutherschreck“ bekannt wurde. Außerdem ist in der Turmkammer jene Kanzel zu sehen, von der Luther mutmaßlich seine drei Predigten gehalten hat.

Literatur

Martin Luther und Halle. Katalog zur Kabinettausstellung der Marienbibliothek und der Franckeschen Stiftungen zu Halle im Luthergedenkjahr 1996. Halle (Saale) 1996.

Heidbrink, Gregor (Hrsg.): „Ey, küss mich aufs Heiligtum!“. Luthers Predigten in Halle, nebst seinen Briefen und einer Einführung, Halle (Saale) 2011.

Birkenmeier, Jochen: Luthers Totenmaske? Zum musealen Umgang mit einem zweifelhaften Exponat, in: Lutherjahrbuch 78 (2011), S. 187–203

Jäger, Franz (Hrsg.): Kirche in der Zeitenwende – Die Marktkirche Unser Lieben Frauen zu Halle in Spatmittelalter und Reformationszeit [Forschungen zur halleschen Stadtgeschichte, Bd. 20]. Halle (Saale) 2013.

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten:
 
Januar und Februar
Montag bis Samstag von 11.30 – 16.00 Uhr
Sonntag von 15.00 – 16.00 Uhr
 
März bis Dezember
Montag bis Samstag von 10.00 – 17.00 Uhr
Sonntag von 15.00 – 17.00 Uhr
 
Kontakt:
 
Evangelische Marktkirchengemeinde Halle
An der Marienkirche 2
06108 Halle (Saale)
Telefon: 0345 / 51 70 894
E-Mail: ma2cRVrkrtkvjirkicowch5Pe.8haDllHve@aweXCqqb.xC7ude8p
Internet: www.marktkirche-halle.de