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Sachsen-Anhalt

Luther was here

KNOWN AND UNKNOWN LUTHER PLACES
IN SAXONY-ANHALT

From Annaburg to Zerbst

Luther's Places

Martin Luther – Eisleben, Mansfeld and Wittenberg are inseparably intertwined with the life and work of Martin Luther. Luther was born and died in Eisleben. He spent his childhood in Mansfeld. He worked for almost 38 years as a Bible professor, preacher and Reformer in Wittenberg. But what do Naumburg, Merseburg and Zeitz; Dessau, Zerbst and Wörlitz; Stolberg (Harz), Annaburg and Prettin have to do with Luther? “Luther was here” is using the 500th anniversary of the Reformation as a reason to draw attention to all those places in Saxony-Anhalt where Martin Luther actually spent time, allegedly spent time and which are linked to the legends surrounding Luther.

This website offers you brief information, pictures and quotes sources on all of Luther’s places in Saxony-Anhalt. The maps help you to orientate. The chronology helps you to follow the journey of Luther from his birth to his death, and to put the different places into context. This creates a trail of places and stories which invite you to explore Saxony-Anhalt, the “Cradle of the Reformation”.

“Luther was here” is a project partnered by the State Office for the Preservation of Historical Monuments and Archaeology in Saxony-Anhalt and the Investment and Marketing Corporation of Saxony-Anhalt".

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Markt 17, 06925 Annaburg

Annaburg – Pfarrhaus

Das heutige Pfarrhaus in Annaburg ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert. Wie das Pfarrhaus am Beginn des 16. Jahrhundert aussah, als Annaburg noch Lochau hieß, ist nicht bekannt. 1522 führte Pfarrer Franz Günther in der hiesigen Pfarrkirche die Reformation ein. Sein Nachfolger wurde Michael Stifel, der ab Oktober 1528 auf Empfehlung Martin Luthers in Lochau wirkte. Stifel war nicht nur Prediger, sondern auch ein begnadeter Mathematiker. Zum Verhängnis wurde ihm, dass er für den 19. Oktober 1533 den Weltuntergang errechnet hatte. Seine Prophezeiung erregte damals bis über die Landesgrenzen des Kurfürstentums Sachsen hinaus Aufsehen.    

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Michael Stifel stammte aus Esslingen. Dort trat er früh dem Orden der Augustiner-Eremiten bei und wurde 1511 zum Priester geweiht. 1522 veröffentlichte Stifel die Schrift "Von der Christfermigen rechtgegründeten leer Doctoris Martini Luthers...", mit der er sich zur Reformation bekannte. Noch im selben Jahr floh er aufgrund von Anfeindungen aus dem Kloster und ging nach Wittenberg. Luther vermittelte ihm zunächst eine Stelle als Prediger auf dem Schloss von Graf Albrecht von Mansfeld. Im Jahr 1525 schickte Luther Stifel nach Österreich, doch kehrte er 1528 nach Wittenberg zurück, da ihm dort wegen seiner evangelischen Gesinnung die Verfolgung drohte. Stifel kam zunächst im Hause Luthers in Wittenberg unter. Nach dem Tod des Lochauer Pfarrers Franz Günther setzte sich Luther beim Kurfürsten Johann von Sachsen dafür ein, Stifel diese Pfarrstelle zu übertragen, da er „fromm und fast geschickt ist in der Schrift und der Predigt.“ Auf Wunsch Luthers heiratete Stifel die Witwe Franz Günthers und nahm sich auch der beiden Kinder an. Martin Luther persönlich vollzog die Trauung Stifels und hielt in der Lochauer Pfarrkirche auch die Hochzeitspredigt.   
 
Luther und Stifel verband eine tiefe Freundschaft. Beide versuchten, sich möglichst oft zu besuchen. Allerdings lagen zwischen Wittenberg und Lochau gut 40 Kilometer, was bei den damaligen Verkehrsverhältnissen eine Tagesreise bedeutete. Gleichwohl kam es zu zahlreichen Begegnungen. So lud Luther Stifel im Juni 1529 nach Wittenberg ein, um gemeinsam mit anderen Gästen des Hauses „fröhlich“ zu sein. Im Juli 1531 kündigte Luther einen Besuch mit seiner Familie im Lochauer Pfarrhaus an: „daß wir nächstens zu dir kommen werden, so Gott will, und deine Kirschen besuchen mit vielen kirschenliebenden Kindern.“
 
Die Freundschaft zwischen Luther und Stifel wurde 1533 auf eine harte Probe gestellt. Schon vor seiner Ankunft in Lochau hatte sich Stifel intensiv mit der Mathematik beschäftigt. Mit ihrer Hilfe versuchte er die Geheimnisse der Bibel zu ergründen. Wie viele seiner Zeitgenossen glaubte auch Stifel, in einer Zeit zu leben, in der das Ende der Welt unmittelbar bevorstand. Schon 1520 war er bei der Lektüre des 13. Kapitels der Offenbarung des Johannes auf die Sätze gestoßen: „Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen. […] Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.“ Die Zahl 666 stand für den Antichrist, den Stifel mit dem damaligen Papst Leo X. gleichsetzte. Um dies auch mathematisch zu beweisen, bediente sich Stifel der so genannten Wortrechnung. Er rechnete alle im lateinischen Namen „LEO DECIMVS“ enthaltenen römischen Zahlen zusammen. Die Summe aus MDCLVI ergab allerdings 1656, weshalb Stifel das M nicht als 1000, sondern als „Mysterium“ las und subtrahierte. Außerdem addierte er eine 10 – also die Anzahl der Buchstaben im päpstlichen Namen: 1656 – 1000 + 10 = 666. 
 
Nachdem Stifel 1528 nach Lochau gekommen war, fand er hier die Ruhe und Muße, sich wieder seiner Wortrechnungskunst zu widmen. Zum Verhängnis wurde ihm seine 1532 veröffentlichte Schrift „Ein Rechenbüchlein vom Endchrist. Apocalypsis in Apocalypsim“. Darin prophezeite er den Untergang der Welt, den er schließlich auf den 19. Oktober 1533 um 8.00 Uhr festlegte. In Predigten bereitete Stifel seine Gemeinde auf den bevorstehenden Weltuntergang vor. Luther, der durchaus an die Endzeit glaubte, lehnte die Berechnung Stifels strikt ab und wurde daraufhin von seinem Freund wüst beschimpft. Noch Anfang Oktober 1533 reiste Luther gemeinsam mit Melanchthon nach Lochau, um Stifel von seiner Vorhersage abzubringen. Doch es half nichts. Am 19. Oktober strömte eine große Menschenmenge nach Lochau. Die Nachricht vom Weltuntergang hatte sich auch über die Grenzen Kursachsens hinaus verbreitet. In Erwartung des Jüngsten Gerichts verschenkten die Menschen ihr Hab und Gut. Auch Stifel trennte sich von seinem Besitz.
 
Wie groß muss die Enttäuschung gewesen sein, als der Weltuntergang ausblieb! Stifel wurde von kurfürstlichen Beamten festgenommen und nach Wittenberg gebracht, da man befürchtete, er könnte von seiner enttäuschten und aufgebrachten Anhängerschaft angegriffen werden. Stifel musste seine Lochauer Pfarrstelle aufgeben. In einem Schreiben an den Kurfürsten entschuldigte sich Stifel für die Unruhe, die seine Prophezeiung ausgelöst hatte. Luther zeigte Nachsicht und nahm den mittellosen Stifel mit seiner Familie in seinem Haus auf. Erst Anfang 1535 übernahm Stifel wieder eine Pfarrstelle in Holzdorf. Später stand er auch im Dienste des Herzogs Albrecht von Preußen und wirkte als Pfarrer in Brück bei Treuenbrietzen. Stifel starb in Jena. Abgesehen von seinen Wortrechnungen, gilt Stifel als einer der bedeutendsten Mathematiker des 16. Jahrhunderts. Noch heute befindet sich im Besitz der Kirchengemeinde Annaburg ein geschnitztes, um 1510 entstandenes Lesepult, das auch Stifel benutzt haben dürfte.      

Literatur

Matthias Aubel: Michael Stifel. Ein Mathematiker im Zeitalter des Humanismus und der Reformation [Studien zur Geschichte der Mathematik und der Naturwissenschaften, Heft 72], Augsburg 2008.
 
Felix Engel / Gerd-Christian Th. Treutler (Hrsg.): Michael Stifel. Reformation + Mathematik = Apokalypse. Tagungsband, Potsdam 2015.
 
Nikola Schmutzler: Michael Stifel als Prediger des Grafen Albrecht von Mansfeld, in: Kohnle, Armin / Bräuer, Siegfried (Hrsg.): Von Grafen und Predigern. Zur Reformationsgeschichte des Mansfelder Landes [Schriften der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Bd. 7], Leipzig 2014, S. 141–154.
 

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten:
 
Das Pfarrhaus in Annaburg ist nicht öffentlich zugänglich.
 
Kontakt:
 
Gemeindebüro des Pfarramtes Annaburg
Markt 17
06925 Annaburg
Telefon: 035385 / 20271
E-Mail: pfarramt-annaburg@web.de
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Auch abseits der wichtigen Reiseziele gibt es spannende Orte im Reiseland Sachsen-Anhalt zu entdecken. Hier zum Beispiel den Flecken Weferlingen, der 1239 zum ersten Mal erwähnt wurde und bis ins 20. Jahrhundert eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich hat. So lag die innerdeutsche Grenze bis 1989 nur 500m vom Ortskern entfernt. 📷: © @grit_unterwegs

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