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Justus Jonas (1493-1555)

Professorenkollege Martin Luthers

„Ich war Dr. Luthers Begleiter in den letzten Wochen seines Lebens. Wir waren in Eisleben, da Luther in seinem Schiedsrichteramt Streitigkeiten der Mansfelder Grafen schlichten sollte. Er war müde, unlustig, ihm war ständig kalt. Luther ahnte, dass es mit seinem Leben zu Ende geht. Trotzdem führte er mit viel Geschick die Schlichtungsgespräche und predigte zu den Eislebern in der St. Andreaskirche. Wenn sich die Grafen vertragen haben, wolle er sich in einen Sarg legen und den Maden einen guten Doktor zu verzehren geben, sagte er damals. Gegen ein Uhr in der Nacht des 18. Februar 1546 ließ Luther mich an sein Bett rufen.

Es ging ihm sehr schlecht und er betete die Worte ‚Nimm mich selig zu Dir’. Ärzte kamen hinzu und rieben seinen Körper mit starkem Branntwein ein, um seinen Kreislauf in Gang zu bringen - doch vergebens. In den Morgenstunden verstarb Luther still und geduldig. Furcht vor dem Tod hatte er keine. Der Maler Lucas Furttenagel zeichnete sein Gesicht und nahm ihm die Totenmaske ab. Danach ließen wir Luther in der Andreaskirche aufbahren und die Glocken läuten, sodass die Eisleber Bürger von ihm Abschied nehmen konnten. Nach Halle, Leipzig, Torgau und Wittenberg sendeten wir Boten mit der Todesnachricht. Von Eisleben brachten wir Luthers Sarg nach Halle in die Marienkirche, weiter nach Bitterfeld, Kemberg, schließlich nach Wittenberg. Dort wurde er am 22. Februar in der Schlosskirche beigesetzt.“