Luthermotiv Das OriginalLuthermotiv Das Original
vorheriges Bild Luthermotiv Das Original nächstes Bild

"Luther war hier" - Anbringung einer Plakette am Ehemaligen Augustinerkloster Himmelpforte bei Wernigerode

Das  Projekt  »Luther  war  hier«,  ein  Kooperationsprojekt  des  Landesamtes  für  Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt, vernetzt über 60 Orte in Sachsen-Anhalt, an denen sich Martin Luther tatsächlich aufgehalten hat, aufgehalten haben soll oder mit denen sich Luther-Legenden  verbinden.  Die  Orte  werden  mit  Metall-Plaketten  gekennzeichnet,  die  einen QR-Code  tragen.  Über  ihn  lässt  sich  eine  mobile  Internetseite  öffnen,  die  Informationen  zum  jeweiligen  Bauwerk  und Ereignis  bereithält, ergänzt  durch  Bilder,  Zitate und Quellen. Die Tourismus-Route wird ständig erweitert. 

Etwa fünf Kilometer westlich vom Stadtzentrum Wernigerodes entfernt und über den Harzer  Klosterwanderweg  zu  erreichen,  liegt  das  ehemalige  Augustinerkloster  Himmelpforte. Im Jahr 1253 gestiftet, 1525 während des Bauernkrieges geplündert, zerstört und später gänzlich abgetragen, erinnert heute nur noch ein Gedenkstein an das Kloster.  Eine  Bronzetafel  berichtet  davon,  dass  Martin Luther  hier  am  6.  August  1517  mit seinem  geistlichen Mentor  Johannes  von  Staupitz  zusammentraf  und  den  Ablasshandel besprach. Luther bündelte seine Kritik an der kirchlichen Ablasspraxis bekanntlich in den 95 Thesen, mit deren Veröffentlichung er am 31. Oktober 1517 die Reformation auslöste.     

Tatsächlich war Martin Luther im Kloster Himmelpforte. Als Distriktvikar der Augustinereremiten hatte er ab 1515 zehn, später elf Klöster im sächsisch-thüringischen Raum zu beaufsichtigen. Staupitz war als Generalvikar sein unmittelbarer Vorgesetzter. Belegt ist Luthers Aufenthalt und sein Treffen mit Staupitz in Himmelpforte durch einen Brief, den Luther von hier seinem Ordensbruder Johannes Lang nach Erfurt schrieb und der mit „Ex Porta caeli sexta Augusti“ – aus Himmelpforte am 6. August – unterschrieben ist. In der anerkannten kritischen Weimarer Ausgabe von Luthers Briefwechsel (WABr, Bd. 1, 1930, S. 101 f.) ist der Brief auf 1517 datiert. Prüft man allerdings die zeitlichen Zusammenhänge der in dem Brief gegebenen Informationen, kommen Zweifel an dieser Datierung auf, denn die in der Forschungsbibliothek Gotha erhalten gebliebenen Abschrift von Luthers Brief nennt gar keine Jahreszahl. War Luther also wirklich 1517 in Himmelpforte?

Luther hatte auf Anweisung von Staupitz Mönche aus Himmelpforte zum Studium an die Erfurter Universität geschickt. Sie überbrachten Johannes Lang, der kurz zuvor von Luther als Prior des Erfurter Augustinerklosters eingesetzt worden war, auch den besagten Brief. Lang solle, so schrieb Luther, die Brüder bei sich aufnehmen und für Kleidung und alle anderen notwendigen Dinge sorgen.

Außerdem erinnerte Luther Johannes Lang daran, das zu tun, was Staupitz ihm kurz zuvor schon mündlich in Eisleben befohlen hatte, nämlich so schnell wie möglich die Würde eines Lizentiaten der  Theologie zu empfangen. Die Frage, wer wann an der Universität Erfurt studierte, lässt sich anhand der schon im 19. Jahrhundert publizierten Matrikelbücher leicht beantworten. Hätte man im August  1517 Augustinermönche zum Studium nach Erfurt geschickt, müssten diese also in der Matrikel des Wintersemesters 1517/18 erscheinen. Dort sucht man allerdings vergebens. Für das Wintersemester 1516/17 hingegen lassen sich neu immatrikulierte Augustiner nachweisen. „Isti novem fratres ord. Augustiniani...“ lautet der Eintrag in der Matrikel. Johannes Lang war im Sommer 1516 gerade erst zum Sententiarius promoviert worden; mit der Lizentiatenwürde sollte er auf Wunsch von Staupitz zügig den nächsten akademischen Grad erreichen. Schließlich fand auch das Gespräch, das Staupitz mit Lang in Eisleben über dessen akademische Zukunft führte, nicht 1517, sondern 1516 statt. Gemeinsam mit Luther hatten Staupitz und Lang am 22. Mai an der Weihe des Eisleber St. Annenklosters teilgenommen.

Kurzum: Luther war nicht am 6. August 1517 in Himmelpforte, sondern genau ein Jahr früher. Dass er damals, wie es auf der Bronzetafel heißt, mit Staupitz den Ablasshandel besprochen hat, lässt sich aus historischen Quellen nicht belegen.  

Projektwebseite:

www.luther-erleben.de/luther-war-hier

Kontakt:

Dr. Alfred Reichenberger, Tel. 0345 · 52 47 -312, areich7oenberg8Kfrzer@ldaej.mk.saDEtchsen-5rDanhaltM.deNj

Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte

Richard-Wagner-Str. 9, 06114 Halle (Saale)