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Luther auf der Spur: Geklebt und nicht gehämmert, oder?

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich, Rosa Luther, habe immer große Probleme beim Bilder aufhängen. Zum einen finde ich es schwierig, eine passende Stelle zu finden, zum anderen hinterlässt so ein Nagel immer ein Loch in der Wand. 

Eigentlich wäre es da doch schlauer, die Bilder gleich an die Wand zu kleben, oder? Gut, die Position des Bildes ließe sich dann nur schwerlich ändern. Aber manchmal will man ja genau das: Etwas für die Ewigkeit schaffen.

Dasselbe dürfte sich mein Namensvetter Martin Luther gedacht haben, als er am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt hat. Sie sollten im Gedächtnis bleiben.

Thesentür - Das OriginalAlso, wenn er die Thesen überhaupt angenagelt hat. Denn bis heute können Historiker nicht einwandfrei klären, ob der berühmte Thesenanschlag so wirklich stattgefunden hat. Allerdings schreibt Philipp Melanchthon, der als Gelehrter eine verlässliche Quelle sein sollte, 1546, der Reformator habe seine Ablassthesen „öffentlich an der Kirche, die mit dem Wittenberger Schloss verbunden ist, am Vortag des Festes Allerheiligen 1517 angeschlagen“. Melanchthon war an jenem Tag jedoch kein Augenzeuge, denn er kam erst 1518 nach Wittenberg. In Wittenberg war es damals allerdings üblich, Thesen öffentlich auszuhängen. So war es gemäß der Statuten der Theologischen Fakultät vorgeschrieben, dass die Aufforderung zu einer akademischen Disputation an Wittenberger Kirchentüren anzubringen sei. Und zumindest formal verband Luther seine Ablasskritik mit der Einladung zu einer Fachdiskussion. In seinem Vorspruch heißt es: „Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese zu ergründen, soll über die folgenden Sätze disputiert werden.“

Erwiesen ist auf jeden Fall, dass Luther die 95 Thesen einem Brief beifügte, den er am 31. Oktober 1517 an den Erzbischof von Mainz und Magdeburg, Albrecht von Brandenburg schickte. Diesen Brief dürfte er dann zugeklebt haben. 

Ob Luther seine Thesen also nur geklebt oder auch gehämmert hat, wird sich jedoch wohl nie feststellen lassen…

Die Tür der Schlosskirche in Wittenberg, im Ursprungsland der Reformation, ist jedenfalls heute für viele Besucher ein beliebtes Fotomotiv.

P.S. Rosa Luther ist eine Kunstgestalt, die sich im Reformationsjahr auf den Spuren Luthers bewegt und regelmäßig „Interna“ aus der Welt Luthers berichten wird.