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Zahna – Stadtkirche St. Marien

Zahna besitzt eine beindruckende, ursprünglich in romanischer Zeit erbaute Kirche. Nur 12 Kilometer von Wittenberg entfernt, kannte Martin Luther die Stadt gut. Im November 1528 nahm er die Kirchenvisitation vor und traf wegweisende Entscheidungen für das örtliche Kirchenwesen. 1532 wurde Johannes Schlaginhaufen zum Pfarrer der St. Marienkirche berufen. Er hielt sich während seiner Studienzeit in Wittenberg oft im Hause Luthers auf. Schlaginhaufen wurde 1533 aus Zahna vertrieben, worüber sich Luther mit einem Brief an die Bürger von Zahna bescherte.  

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In Zahna steht eine für die Größe der Stadt geradezu monumentale Kirche, die am Übergang vom 12. zum 13. Jahrhundert entstand. Es handelt sich im Kern um eine dreischiffige kreuzförmige romanische Pfeilerbasilika, die aus gleichförmig behauenen Feldstein-Granitquadern erbaut wurde. Abgeschlossen wurde der Kirchenbau im 15. Jahrhundert, nachdem Zahna um 1430 im Hussitenkrieg zerstört wurde. Ein Schicksal, das die Stadt unter anderem mit Bad Schmiedeberg teilt. Aus dieser letzten spätgotischen Bauphase stammen die aus Backstein errichteten oberen Teile des Westturmes. Nachdem Zahna schon im Schmalkaldischen Krieg 1547 in Mitleidenschaft gezogen wurde, kam es auch 1637 im Dreißigjährigen Krieg zu erheblichen Zerstörungen, von denen auch die Kirche betroffen war. Ihr Wiederaufbau dauerte bis 1669. Der schlichte, ja geradezu karge Kircheninnenraum wird heute durch eine hölzerne Empore und die klassizistische Orgel geprägt.

Zahna liegt nur 12 Kilometer von Wittenberg entfernt. Wie oft Martin Luther diese Strecke zurücklegte, ist nicht bekannt. Dass der Reformator über die kirchlichen Verhältnisse in Zahna informiert war, steht indes außer Frage. Als Mitglied der von Kurfürst Johann einberufen Visitationskommission hat er am 16. November 1528 gemeinsam mit seinen Mitvisitatoren die Kirche inspiziert und dabei Festlegungen für das örtliche Kirchenwesen getroffen. Hatte Zahna bisher nur einen Pfarrer, so wurde ihm nun ein Kaplan, also ein Hilfsprediger zur Seite gestellt und für dessen Unterkunft und Besoldung gesorgt. Dem Pfarrer wurden seine gottesdienstlichen Pflichten aufgetragen: „sontags und alle christliche festtage frue soll der pfarrer das evangelium von der zeit oder fest predigen und, wo er communikanten hat, ein meß halten…“ Offenbar hatte es unter den Pfarrern einige gegeben, die sich einen zweifelhaften Ruf erworben hatten, denn es wurde ausdrücklich angezeigt: „Und soll sich ein pfarrer ungeburlicher handlung mit bierschenken und anderen dergleichen unsaubern narungen enthalten.“

Als Arbeitsgrundlage und Handlungsanweisung für die Pfarrer galt ab nun die 1528 von Phillip Melnachthon verfasste und gedruckte Schrift „Unterricht der Visitatoren“. Sie war eine amtliche Kirchenordnung, nach der sich die Pfarrer fortan zu richten hatten. Außerdem legte sie fest, wie Gottesdienst und Schulunterricht abzuhalten waren. Bildung gehörte für die Reformatoren zu den Grundlagen eines evangelischen Gemeinwesens. Deshalb war es Pflicht des Pfarrers, „das volk treulich und mit ernst zu vormanen, das sie ire kinder zur schulen schicken und halten wollen, nicht allein deutsch, sundern auch ir latein wol lernen…“ Daher wurde „zu guter zucht der judend“ in Zahna nun auch ein Schulmeister eingesetzt. Auch die Einrichtung eines Gemeinen Kastens zur Besoldung von Pfarrer, Kaplan und Schulmeister, zur Erhaltung der Kirchengebäude sowie zur Versorgung der Armen, Kranken und Schwachen geht auf diese Visitation zurück. 

Wer zur Zeit der ersten Kirchenvisitation Pfarrer in Zahna war, ist nicht bekannt. Mit Sicherheit lässt sich aber sagen, dass zu Michaelis 1532 (29. September) Johannes Schlaginhaufen zum Pfarrer der St. Marienkirche berufen wurde. Er stammte aus der Pfalz und hatte sich 1520 an der Wittenberger Universität Leucorea immatrikuliert. Als Gast im Hause Luthers hat er viele Tischreden mitgeschrieben.

Schlaginhaufen ist ein Beispiel für die Geringschätzung, die Pfarrer von Adligen erfahren mussten. Dies geht aus einem Brief Luthers von 1533 an „die zu Zahna“ hervor. Schlaginhaufen war vom Landvogt aus unbekannten Gründen aus Zahna vertrieben worden. Luther ergriff für ihn Partei und verurteilte dieses Vorgehen, denn „wird daruber dem Kurfursten das Land leer von guten Predigern und Pfarherrn, das verantworte der Landvogt mit seiner Zucht gegen Gott und iren Landesfursten, dem sie geschworen sind.“ Schlaginhaufen ging nach Köthen und führte im Fürstentum Anhalt-Köthen eine neue Kirchenordnung nach Wittenberger Vorbild ein.

Literatur

Karl Pallas: Die Registraturen der Kirchenvisitationen im ehemals sächsischen Kurkreise. Zweite Abteilung, erster Teil: Die Ephorien Wittenberg, Kemberg und Zahna [Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete, Bd. 41], Halle (Saale) 1906.

Brief Luthers an die von Zahna [vor Dezember 1533], in: D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe. Briefwechsel, Bd. 5, Weimar 1935, S. 558-559

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten:
 
April bis Oktober täglich von 10.00 – 16.00 Uhr
 
Kontakt:
 
Evangelische Kirchengemeinde „Sankt Marien“ Zahna
Kirchplatz 3
06895 Zahna-Elster
Telefon: 034924 / 20478
E-Mail: zahn9ia@kiEwTlrche7nkreRO3aDiswikzfCttenQlTwbergv.deR