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Wallhausen – Schloss

Der kleine Ort Wallhausen, am Südrand des Harzes zwischen Kelbra und Sangerhausen gelegen, kann auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken. Einst Pfalz deutscher Könige, entstand hier Ende des 12. / Anfang des 13. Jahrhunderts eine kleine Burg, die im 15. Jahrhundert in den Besitz der Familie von der Asseburg überging. Als der Bauernkrieg im Frühjahr 1525 das Harzgebiet erreichte, rief Hans III. von der Asseburg Martin Luther nach Wallhausen. Der Reformator soll hier eine Predigt gegen die „falschen Propheten“ gehalten haben.

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Wallhausen wurde 908 erstmals erwähnt. Der Ort gehörte zu den bevorzugten Pfalzen der deutschen Könige. Die Pfalz wurde zwar 1115 zerstört, doch tagte 1169 in Wallhausen noch einmal ein großer Reichstag. Vermutlich entstand auf dem Areal der einstigen Pfalz im späten 12. oder im frühen 13. Jahrhundert eine kleine romanische Burg. Diese war nach zahlreichen Besitzerwechseln ab 1424 schrittweise in den Besitz der Familie von der Asseburg übergegangen. Unter ihnen erfolgte zwischen 1606 und 1616 der Umbau der Burg zu einem repräsentativen Renaissanceschloss; um die Mitte des 18. Jahrhunderts gab es weitere bauliche Veränderungen. Zwischen 1948 und 2005 wurde das Schloss als Schule genutzt, was erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz nach sich zog.
 
Folgt man Johann Theodor Lingke, der 1769 ein Buch mit dem Titel „Martin Luthers merkwürdige Reisegeschichte“ veröffentlichte, hat sich auch Martin Luther einmal im Schloss Wallhausen aufgehalten. Sein Besuch fällt in die Zeit, in der sich der von Süddeutschland heraufziehende Bauernkrieg auch in Thüringen und im Harzgebiet ausbreitete.
 
Luther geriet eher zufällig in das Gebiet des Bauernkrieges. Der Reformator war am 16. April 1525 gemeinsam mit Melanchthon in Wittenberg aufgebrochen, um auf Wunsch Graf Albrechts von Mansfeld in Eisleben eine christliche Schule einzurichten. Erste Station der Reise war nachweislich Bitterfeld. Schon am 17. April soll Luther in der kleinen Dorfkirche in Seeburg gepredigt haben. Am 21. April 1525 war Luther in Stolberg, wo er als Gast im Hause seines Freundes Wilhelm Reiffenstein weilte und in der Kirche St. Martini predigte. Zu den weiteren, nicht immer zweifelsfrei belegbaren Aufenthaltsorten dieser Reise gehörten Nordhausen, Erfurt, Weimar und Orlamünde. Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass Luther damals auch auf Schloss Seeburg war, denn von dort schrieb er am 4. Mai 1525 einen Brief an den mansfeldisch-gräflichen Rat Johann Rühel.
 
Drei Tage zuvor, das heißt am 1.  Mai 1525, soll Luther laut Lingke auch Wallhausen besucht haben. Demnach war der Reformator eben an jenem Tage vom Freiherrn von der Asseburg in Eisleben abgeholt und bis nach Wallhausen begleitet worden. Damals residierte Hans III. von der Asseburg (1484–1534) in Wallhausen. Da im Schloss „nur eine finstere, und halb unter der Erde liegende Kapelle“ vorhanden gewesen sei, habe Luther in der örtlichen Kirche St. Peter und Paul eine Predigt über das 7. Kapitel des Matthäus-Evangeliums / Vers 15 gehalten: „Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“ Wer mit den „falschen Propheten“ gemeint war, ist klar. Thomas Müntzer hatte zu dieser Zeit seine Anhänger in Mühlhausen um sich gesammelt. Auch aus der Herrschaft Wallhausen und den umliegenden Dörfern zogen Untertanen nach Frankenhausen, um sich mit den dortigen Aufständischen zu verbünden. Von den 83 Hausbesitzern in Wallhausen kamen zwei in der Bauernschlacht bei Frankenhausen um.
 
Die lokale Geschichtsschreibung des frühen 20. Jahrhunderts hat den durch keine anderen Quellen belegten Aufenthalt Luthers in Wallhausen farbenreich ausgeschmückt und dadurch populär gemacht. So berichtete der Wallhausener Pfarrer Max Trippenbach 1907 in seinem Buch „Bilder aus Wallhausens Vergangenheit“, Luthers Wagen sei am 1. Mai 1525 „umdrängt vom Volk“ in das Schloss eingefahren. Trippenbach widmete Luther dann auch eine Szene in seinem Volksschauspiel, das 1908 anlässlich eines Heimatfestes in Wallhausen aufgeführt wurde. Darin heißt es unter anderem:
 
So habt ihr denn, ehrwürdʼger Doktor Luther,
Die Mühsal eurer Fahrt zu uns vollendet,
Und dankbar drückʼ ich euch die teure Hand,
Ich, Hans, der Junker von der Asseburg,
Des Kaisers wohlbestallter Feldhauptmann,
[…]
Ihr wißt, erwürdʼger Mann, weshalb ich bat,
Uns heut im Gotteshaus ein Wort zu sagen,
Ihr hörtetʼs unterwegs schon, wie sich drängend
Der Geist des Aufruhrs in den Bauern bläht.
In allen Orten grolltʼs wie ein Gewitter;
O warne sie, du teurer Gottesmann!

Quellentexte

Luther in Wallhausen
 
„Einer auf dem Freyherrlichen Asseburgischen Schlosse Wallhausen aufbehaltenen Nachricht zu folge, ist D. Luther am Tage Jacobi, den 1sten May, von Eisleben nach Wallhausen, durch den damaligen Freyherrn von der Asseburg, abgeholet worden. […] Allhier that er Montags nach Misericord[ias]. Dom[ini]. den 1sten May eine Predigt über Matth[äus]. VII, 15. Sehet euch vor vor den falschen Propheten ect. in der Kirche des anliegenden Marktfleckens zu St. Petri Pauli, weil zu der Zeit nur eine finstere, und halb unter der Erde liegende Kapelle im Schlosse war. Als er mit dem Freyherrn von der Asseburg gespeiset, soll er gesprochen haben, daß, nach ungefähr 200 Jahren, dieser Freyherrliche Sitz wieder an einen katholischen Herrn kommen würde, welches auch 1721 geschehen.“
 
Quelle: Johann Theodor Lingke: Martin Luthers merkwürdige Reisegeschichte, zu Ergänzung seiner Lebensumstände und Erläuterung der Reformationsgeschichte aus bewährten Schriften und zum Theil ungedruckten Nachrichten beschrieben. Leipzig 1769, S. 156

Literatur

Siegfried Bräuer: Luthers Reise in das Bauernkriegsgebiet, in: Günter Vogler (Hrsg.): Bauernkrieg zwischen Harz und Thüringer Wald [Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft, Bd. 69]. Stuttgart 2008, S. 299–312.
 
Reinhard Schmitt: Schloß Wallhausen. Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte, in: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 17 (2008), S. 104–134.
 
Max Trippenbach: Bilder aus Wallhausens Vergangenheit. Sangerhausen 1907.
 
Max Trippenbach: Asseburger Familiengeschichte. Nachrichten über das Geschlecht Wolfenbüttel-Asseburg und seine Besitzungen. Hannover 1915.

Öffnungszeiten

In Schloss Wallhausen finden regelmäßig wechselnde Kunstausstellungen statt. Außerdem befinden sich im Schloss ein Hotel sowie ein Café und ein Restaurant. Die Räumlichkeiten des Schlosses können auch für Feiern und Empfänge genutzt werden.
 
Öffnungszeiten Ausstellung:
 
Dienstag bis Samstag von 10.00 bis 16.00 Uhr
Sonntag von 10.00 bis 14.00 Uhr
 
Öffnungszeiten Café und Restaurant:
 
Dienstag bis Freitag von 17.30 bis 22.00 Uhr
Samstag von 10.00 bis 22.00 Uhr
Sonntag von 10.00 bis 14.00 Uhr
 
Kontakt:
 
Schloss Wallhausen
Schloss 1
D-06528 Wallhausen
Telefon: 034656 / 202 39
E-Mail: info@scqHCPhlosswaiSllhause6mos0n.deGw2
Internet: http://www.schlosswallhausen.de