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Wahlitz - Klusbrücke

Die zweibogige, aus Natursteinen erbaute Klusbrücke ist das letzte erhaltene Brückenbauwerk des Klusdamms. Der Klusdamm hatte ursprünglich eine Länge von fast acht Kilometern und verband die Stadt Magdeburg mit den östlich der Elbe liegenden Gebieten. Über die Klusbrücke führte eine alte Handels- und Heerstraße, die zum einem über Zerbst bis nach Wittenberg und Leipzig, zum anderen über Ziesar bis nach Brandenburg und Berlin reichte. Erbaut wurde die Brücke am Anfang des 15. Jahrhunderts. Was aber hat die Klusbrücke mit Luther zu tun?

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Beim Klusdamm handelt es sich um einen aus Steinen und Erde aufgeschütteten Damm, der ursprünglich sechs Meter breit und fast acht Kilometer lang war. Er bestand aus 40 zum Teil aus Holz, zum Teil aus Steinen erbauten Brücken. Erhalten hat sich davon allerdings nur die zweibogige Klusbrücke. Der Klusdamm war bis ins 19. Jahrhundert hinein der kürzeste, sicherste und einzig befestigte Hauptverkehrsweg von Magdeburg in Richtung Osten. Er verband das links- und rechtselbische Verkehrsnetzt um Magdeburg im Überschwemmungsgebiet der Elbe-Ehle-Aue.

Auch Luther muss die Klusbrücke benutzt haben, als er im Sommer 1516 von Magdeburg zurück nach Wittenberg reiste. Im Mai 1515 war er in Gotha auf dem Kapitel der Augustiner-Eremiten zum Distriktvikar seines Ordens gewählt worden. Ihm unterstanden damit 11 Klöster im sächsisch-thüringischen Raum, die er zu kontrollieren hatte. Auf seiner ersten Vistitationsreise kam er von Erfurt aus über Gotha, Sangerhausen und Eisleben im Juni 1516 auch nach Magdeburg, um als letzte Station das dortige Augustinerkloster zu inspizieren.

Acht Jahre später, im Juni 1524, hielt sich Luther ein weiters Mal in Magdeburg auf. Seit 1521 hatte es in der Elbestadt evangelische Predigten gegeben. Die Reformation fand viele Anhänger. Allerdings versuchte der mehrheitlich altgläubige Rat, die Lehre Luthers zu unterdrücken. Es kam zu Tumulten. Die Lage drohte zu eskalieren. Deshalb rief Magdeburgs Bürgermeister Nikolaus Sturm Luther nach Magdeburg, um Anordnungen zur geregelten Einführung der Reformation zu treffen. Nach einer zweitägigen Reise traf Luther am 24. Juni 1524 in Magdeburg ein. Er wohnte bei seinen Ordensbrüdern im kurz darauf aufgelösten Augustinerkloster, wo er am gleichen Tag auch predigte. Am 26. Juni 1524 hielt er unter großem Zulauf der Magdeburger Bürgerschaft eine weitere Predigt in der St. Johanniskirche.

Johann Vulpium berichtet in seiner 1702 veröffentlichten Stadtgeschichte, Luther sei nach seinem Aufenthalt in Magdeburg vom Rat „mit etlichen Pferden“ bis nach Zerbst geleitet worden. Die Entfernung zwischen Magdeburg und Zerbst beträgt rund 40 Kilometer, bis nach Wittenberg sind es weitere 45 Kilometer. Luther wird also bei seiner Hinfahrt wie bei seiner Rückfahrt in Zerbst übernachtet haben. Luther kannte Zerbst gut. Schon im Mai 1522 hatte er das dortige Augustinerkloster besucht.

Ob Luther, wie die lokale Geschichtsüberlieferung berichtet, beim Überqueren der Klusbrücke auch in der naheliegenden Klause gerastet hat, lässt sich nicht feststellen. Zumindest hat es aber östlich der Brücke tatsächlich eine „Clause“ gegeben. Eine Federzeichnung aus dem Jahr 1588 hält die historische Situation fest. Diese Klause soll von Augustinermönchen aus dem brandenburgischen Ziesar bewirtschaftet worden sein. Zwar ist in der bischöflichen Residenzstadt Ziesar im 14. und 15. Jahrhundert eine Niederlassung der Magdeburger Augustiner-Eremiten nachweisbar, umstritten ist jedoch, ob es sich bei diesem „hospitium“ tatsächlich um eine dauerhafte Unterkunft handelte, in der sich ständig Ordensbrüder aufhielten. Vermutet wird lediglich der Bestand eines „Kleinklosters“, in dem aber nur gelegentlich wenige Mönche wohnten.

Aus der Klause entstand später ein Forsthaus, das dem vermutlich im 19. Jahrhundert eingerichteten Ausflugslokal seinen Namen gab. In diesem Forsthaus soll sich auch eine „Lutherstube“ befunden haben. Erhalten hat sich davon allerdings kaum etwas. Das Forsthaus wurde nach dem Zeiten Weltkrieg abgebrochen. Allein von dem turmartigen Anbau sind noch Mauerreste vorhanden.

Literatur

Johann Vulpium: Magnificentia Parthenopolitana: Das ist Der Ur-alten Welt-berühmten Haupt- und Handel-Stadt Magdeburg Sonderbare Herrlichkeit. Magdeburg 1702.

Friedrich Bruns: Hanseatische Handelsstraße [Quellen und Darstellungen zur hansischen Geschichte; Neue Folge, Bd. 13, Teil 1–3]. Köln/Graz 1962-1968.

Jürgen Knüpfer / Klaus Lehnert: Die Klusbrücke bei Wahlitz – einziges erhaltenes Bauwerk des Klusdamms, in: Magdeburger Blätter. Jahresschrift für Heimat- und Kulturgeschichte im Bezirk Magdeburg 1983, S. 67–71.

Peter Riedel: Termineien im „Bettelordensland“ Brandenburg. Zugleich ein Beitrag über Nutzen und Grenzen von Klosterbüchern, in: Sascha Bütow / Peter Riedel / Uwe Tresp (Hrsg.): Das Mittelalter endet gestern. Beiträge zur Landes-, Kultur- und Ordensgeschichte. Heinz-Dieter Heimann zum 65. Geburtstag [Studien zur brandenburgischen und vergleichenden Landesgeschichte, Bd. 16]. Berlin 2014, S. 191–223.

Melchior Jöstel / H. C. Krautwadel: Grenze zwischen dem Amt Gommern und dem Erzstift Magdeburg. Federzeichnung von 1588. Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 12884 Karten und Risse, Schrank IV, Fach 56, Nr. 4.

Öffnungszeiten

Die Klusbrücke kann ganzjährig nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht werden. Von Wahlitz aus benutzt man die Straße „Zur Klus“ in Richtung Pechau. Die Entfernung beträgt ca. 3 Kilometer.