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Stolberg - Stadtkirche St. Martini

Die Martinikirche und das über der Stadt thronende Schloss sind markante Bauwerke und zugleich Belege für den Reichtum, zu dem die Stadt und die Grafschaft Stolberg im 15. Jahrhundert durch den Holz- und Holzkohlehandel gekommen waren. Auch in politischer Hinsicht war die Grafschaft bedeutend. Unter Kaiser Maximilian I. erlangten die Grafen zu Stolberg Reichsunmittelbarkeit. 1516 wurde Graf Botho III. von Stolberg und Wernigerode zum Hofmeister von Kardinal Albrecht berufen. Er war zudem Leiter des erzbischöflichen Vikariatskollegiums und dadurch schon sehr früh auf die von Wittenberg ausgehende Reformation aufmerksam geworden. Als Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms im April 1521 vor Kaiser und Reich den Widerruf seiner Thesen verweigerte, war auch Graf Botho anwesend.

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Graf Botho war kein Gegner der Reformation. Ein Übertritt zum Protestantismus kam für ihn aber aus Verbundenheit zu Kardinal Albrecht nicht in Frage. Früh ließ er evangelische Predigten in seinem Herrschaftsgebiet zu. Für die Durchsetzung der Reformation in Stolberg war vor allem Tilemann Plathner verantwortlich. 1490 in Stolberg geboren, wirkte Plathner seit 1519 als Pfarrer an der Martinikirche. 1521 wurde er in Wittenberg zum Doktor der Theologie promoviert und zum Prorektor der dortigen Universität berufen. Die persönliche Bekanntschaft, die Tilemann Plathner sowie der gräfliche Rentmeister Wilhelm Reiffenstein mit Luther pflegten, wird ein Grund für den Aufenthalt des Reformators im April 1525 in Stolberg gewesen sein.

Die Umstände von Luthers Reise nach Stolberg liegen aufgrund der wenigen überlieferten Quellen weitestgehend im Dunklen. Gesichert ist lediglich, dass Luther am 16. April 1525 von Wittenberg in Richtung Eisleben aufbrach, um dort eine evangelische Schule zu gründen. Die erste Reisestation war Bitterfeld. Wann Luther in Eisleben ankam, ist nicht bekannt. An Luthers Aufenthalt in Stolberg am 21. April 1525 kann indes kein Zweifel bestehen, denn wie ein im späten 19. Jahrhundert entdeckter Vermerk im Stolberger Ratsjahrbuch belegt, erhielt „D. Martino leuter“ drei Stübchen Frankenwein und drei Stübchen Einbecker Bier als Ehrengeschenke des Rates. Was aber war der eigentlich Grund dafür, die ca. 60 Kilometer lange und einen Tag dauernde Reise von Eisleben nach Stolberg auf sich zu nehmen? Ein Trinkgelage mit Freunden wohl kaum.

In Zusammenhang mit Luthers Reise wird immer wieder auf den sich im Frühjahr 1525 von Thüringen her ausbreitenden Bauernkrieg verwiesen. An vielen Orten hat Luther damals gepredigt, um dem Aufstand des „gemeinen Mannes“ entgegenzutreten. So berichtete der Schosser zu Allstedt am 1. Mai 1525 an Kurfürst Friedrich den Weisen: „Doctor Luther ist im mansfeltischen lande, aber er kan solicher aufrur […] nit weren.“ Ob Luther tatsächlich, wie Johann Arnold Zeitfuchs in seiner „Stolbergischen Kirchen- und Stadt-Historie“ von 1717 berichtet, in der Martinikirche gepredigt hat, „da der Verführer des Volcks, Thomas Müntzer, den Bauern-Krieg bey Franckenhausen anfieng“, lässt sich zwar nicht beweisen, es erscheint aber durchaus plausibel.

Bemerkenswert an Zeitfuchs’ Aussage ist, dass der Aufstand der Bauern – ganz im Sinn von Luthers retrospektiver Deutung der Ereignisse – als das Werk eines einzelnen Mannes, nämlich des 1489 in Stolberg geborenen Thomas Müntzers, erscheint. Luther und seine Wittenberger Kollegen waren schon früh darum bemüht, sich energisch von Müntzer zu distanzieren und ihn zu beschimpfen, sahen sie in ihm doch das Werkzeug des Teufels, der die reformatorische Bewegung aufzuhalten versuchte.

Geht man also davon aus, dass Luther in Stolberg predigte, so waren seine Ermahnungen doch umsonst. Schon am 22. April 1525 beklagte sich Graf Botho: „Daneben lässt es sich mit der Bauernschaft bei mir dermaßen an, daß ich nicht weiß, wes ich mich versehen möge.“ Ende April erhob sich in der Grafschaft der Aufstand. Zuerst wurden Häuser zerstört und Klöster geplündert, am 2. Mai musste sich Graf Botho den Aufständischen beugen und die in den „Stolberger Artikeln“ formulierten Forderungen anerkennen. Erst nach der Niederlage des Bauernheeres in der Schlacht von Frankenhausen gelang es Graf Botho, seine Herrschaft wieder herzustellen.

Quellentexte


Notiz über den Aufenthalt Martin Luthers in Stolberg 1525 auf dem Jahr 1717

Nach dergleichen Veränderungen [gemeint ist die Reformation] fand hier der seelige Lutherus desto bessern Eingang und predigte im folgenden 1525. Jahr da der Verführer des Volks Thomas Müntzer den Bauern-Krieg bei Frankenhausen anfieng den Freytag nach Ostern in hiesiger Haupt-Kirche und war abgetreten in seines schwagers des gräflichen Rentmeisters Hrn. Wilhelm Reiffensteins eines rühmlichen Patricij, Hause oder Gasthofe so nechst über dem Marckte gelegen und vor weniger Zeit abgetragen worden. E. E. Rath beschenckte diesen werthesten Gast unter andern mit 4 Kannen Rhein-Wein und 4 Stübchen Einbecker Bier.

Quelle: Johann Arnold Zeitfuchs: Stolbergische Kirchen- und Stadt-Historie. Frankfurt am Main / Leipzig 1717, S. 212.

Literatur

Eduard Jacobs: Das Stolbergische Ratsjahrbuch, mit Ausführungen über Spiele und Gebräuche, den Bauernkrieg und Luthers Anwesenheit in Stolberg, in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde 17 (1884), S. 146–215.

Doris Derdey: Der Bauernkrieg im Harzgebiet, in: Nordharzer Jahrbuch 11 (1986), S. 75-84.

Siegfried Bräuer: Luthers Reise in das Bauernkriegsgebiet, in: Günter Vogler (Hrsg.): Bauernkrieg zwischen Harz und Thüringer Wald [Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft, Bd. 69]. Stuttgart 2008, S. 299-312. 

Mario Bolte: Streitfall anno 1917. Besuchte Luther Stolberg?, in: Das Amtsblatt. Landkreis Mansfeld-Südharz. Ausgabe 3/2016 vom 26. März 2016, S. 10–11.

Öffnungszeiten

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Außerhalb von Gottesdienstzeiten am Dienstag und Sonntag von 13.00 bis 16.00 Uhr

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Kontakt:

Pfarramt Stolberg
Pfarrer Jörg Thoms
Schlossberg 10
06536 Stolberg/Südharz
Tel.: 034654 / 855334
Internet: www.stadt-stolberg.de/Die_Martinikirche