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Prettin – Stadtkirche St. Marien

Die spätgotische Backsteinkirche St. Marien entstand im frühen 14. Jahrhundert, wurde in den nachfolgenden Jahrhunderten aber mehrfach baulich verändert. Martin Luther hat die Prettiner Kirche im Dezember 1528 visitiert und so die Neuordnung des örtlichen Kirchenwesens maßgeblich mitbestimmt. Der Reformator hat sich auch danach öfter in Prettin aufgehalten, um hier die im Exil lebende Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg zu besuchen.

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Die Prettiner St. Marienkirche ist ein dreischiffiger hochgotischer Backsteinbau, der im frühen 14. Jahrhundert begonnen wurde. An ihrer Größe lässt sich die Stellung ablesen, die Prettin im hohen Mittelalter und darüber hinaus besaß. Die Stadt zählte am Beginn des 16. Jahrhunderts um die 800 Einwohner – in der kursächsischen Residenz- und Universitätsstadt Wittenberg wohnten damals 2.000 Menschen.

Martin Luther hat Prettin zwischen 1518 und 1539 mehrfach besucht. Neben seinen für den Fortgang der Reformation entscheidenden Aufenthalten 1518 und 1520 im Antoniterkloster Lichtenberg nahm er im Dezember 1528 gemeinsam mit dem Wittenberger Hauptmann Hans Mentzsch, dem Juristen Benedict Pauli und dem Landrentmeister Hans von Taubenheim die Visitation der Prettiner Kirche vor. Dem überlieferten Bericht ist zu entnehmen, dass damals für die geistliche Versorgung und für den Unterricht in der städtischen Schule fünf Personen in Prettin angestellt waren: ein Pfarrer, ein Prediger, ein Kaplan sowie ein Schulmeister nebst einem Gehilfen. Durch die Einrichtung eines „Gemeinen Kastens“ wurden deren Versorgung sowie die Erhaltung der Kirchen- und Schulgebäude neu geregelt. Auch die Unterstützung der Armen und Kranken sollte fortan über die Einnahmen des Kastens erfolgen. Das für die Liturgie nicht mehr benötigte kirchliche Gerät, darunter Kelche, silberne Monstranzen und Kreuze, sollte teils verkauft, teils verwahrt werden. Zum Superintendenten für Prettin wurde der Pfarrer der Wittenberger Stadtpfarrkirche bestimmt. Damit wurde Johannes Bugenhagen, der seit 1523 an der Stadtpfarrkirche wirkte, der kirchliche Vorgesetzte der Prettiner Pfarrei.

Wie eng die Beziehungen Luthers zur Prettiner Kirche und deren Pfarrer waren, zeigt ein Brief des Reformators an den Präzeptor des örtlichen Antoniterklosters Wolfgang Reißenbusch vom November 1537. Das Kloster befand sich damals gerade in Auflösung. Die ehemaligen Mönche wurden mit Abfindungen bedacht. Luther setzte sich für den ehemaligen Antoniter Severin Schultze ein, der seit 1524 Pfarrer an der Prettiner Kirche war und in  kläglichen Verhältnissen lebte: „Es hat mir der Pfarrherr zu Brettin seine Noth angezeigt, so hab ichʼs selbst gesehen. Da sind Weib und Kind in Unfall, Armuth, und wird ihm das Haushalten sauer, das weiß Gott. Wie er aber vom [Kloster Lichtenberg] mit 20 Floren [Gulden] abgefertigt wird, so andere 100 Floren kriegen […], so ist doch nun Durst und Noth da, daß solcher Bewilligen billig für nichts zu achten bei allen Vernünftigen. Und wenn manʼs gleich Christo von den Füßen nehmen, und ihm geben sollt, wäre es mehr Ablaß denn Sünde.“

Weitere Aufenthalte Luthers in Prettin stehen im Zusammenhang mit der brandenburgischen Kurfürstin Elisabeth. Sie hatte 1527 heimlich das Abendmahl in beiderlei Gestalt erhalten und sich daraufhin von ihrem altgläubigen und untreuen Ehemann Kurfürst Joachim I. von Brandenburg getrennt. 1528 war sie des Nachts aus Schloss Cölln bei Spandau geflohen und hatte zunächst bei ihrem Onkel, dem sächsischen Kurfürsten Johann, später auch bei ihrem Neffen, Kurfürst Johann Friedrich, Aufnahme gefunden. Ab 1536 wohnte sie im ehemaligen Antoniterkloster Lichtenberg. Im Sommer 1537 wurde die schwer psychisch erkrankte Kurfürstin im Hause Luthers versorgt. Katharina von Bora musste bei ihr sitzen und sie beruhigen. Die monatelange Pflege der Kurfürstin belastete den Haushalt stark, so dass Luther beim Kurfürsten um eine andere Unterkunft für Elisabeth ersuchte. Von 1538 bis 1546 wohnte sie dann permanent in Prettin, wo sie Luther gelegentlich auch besuchte, so etwa am 12. Juni 1539. Beim Abendessen wünschte die Kurfürstin Luther ein langes Leben. Luther aber entgegnete: selbst wenn ihm Gott anböte, die nächsten 40 Jahre im Paradies zu leben, würde er dies nicht annehmen. Lieber würde er sich einen Henker mieten, der ihm den Kopf abschlüge. „Also böse ist die Welt, und die Leute werden zu eitel Teufel, daß ihm einer nichts Besseres wünschen kann als nur ein seliges Stündlein […]. …ich will mir mein Leben […] nicht sauer machen [lassen], sondern in Gottes Namen essen und trinken, was mir schmeckt.“ 

Bei einem seiner Besuche soll Luther auch in der Prettiner Kirche vor Elisabeth gepredigt haben. Noch heute befindet sich in der Kirche an der Südseite des Mittelschiffs eine steinerne „Lutherkanzel“. Der Predigtstuhl trägt die Jahreszahl 1582. Luther hat diese Kanzel also nie betreten, möglicherweise aber eine frühere, die sich an gleicher Stelle befand.

Zu den herausragenden Kunstwerken in der Prettiner St. Marienkirche gehört der spätgotische, um 1490 gefertigte Schnitzaltar mit einer Kreuzigungsdarstellung. Er stammt ursprünglich aus dem Antoniterkloster Lichtenberg.

Literatur

Karl Pallas: Die Registraturen der Kirchenvisitationen im ehemals sachsischen Kurkreise. Zweite Abteilung, dritter Teil: Die Ephorien Prettin und Herzberg [Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete, Bd. 41], Halle (Saale) 1908, S. 3–8.
 
Herbert Vossberg: Luther rät Reißenbusch zur Heirat. Aufstieg und Untergang der Antoniter in Deutschland. Ein reformationsgeschichtlicher Beitrag. Berlin 1968.

 

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten:
 
April bis Oktober täglich von 10.00 - 16.00 Uhr
 
Kontakt:
 
Evangelisches Pfarramt Prettin
Hohe Straße 19
06925 Annaburg / OT Prettin
Telefon.: 035386 / 22563
E-Mail: ki5IercHheHEgbT-phVeresrtttinRY@g4mxWxE.dBNeF