Logo von Luther war hier

Naumburg - Markt 13

„Dr. Martin Luther wohnte in diesem Hause vom 18. bis 21. Januar 1542“ – so hält es die am Haus am Markt 13 angebrachte Marmortafel fest. Grund für den Aufenthalt des Wittenberger Reformators in Naumburg war die Ordination von Nikolaus von Amsdorf zum ersten evangelischen Bischof des Bistums Naumburg-Zeitz, die am 20. Januar 1542 im Naumburger Dom von Martin Luther vollzogen wurde. Während dieser Zeit war Luther Gast in diesem Haus, das damals der Witwe des Stadtschreibers Ambrosius Dörffer gehörte.

Erfahren sie mehr...

Martin Luther hatte schon im April 1521 auf seiner Reise von Wittenberg zum Reichstag von Worms in Naumburg Station gemacht. Damals übernachtete er im Gasthof „Zum großen Christoff“, der sich zu jener Zeit auf dem Grundstück des heutigen Markt 3 befand. Sein zweiter Aufenthalt im Januar 1542 stand in Zusammenhang mit einem Ereignis, das als Naumburger Bischofsexperiment bekannt geworden ist. Hintergrund war der Umstand, dass der bisherige Naumburger Bischof Philipp von Freising am 5. Januar 1941 gestorben war. Das Naumburger Domkapitel hatte daraufhin ohne Wissen und Zustimmung des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen den papsttreuen Zeitzer Propst und Meißner Domdekan Julius von Pflug zum neuen Bischof gewählt. Pflug trat sein Amt allerdings nicht an, sondern erbat sich Bedenkzeit.

Der die Reformation unterstützenden sächsische Kurfürst erkannte darin seine Chance, das Bistum konfessionell und politisch seinem territorialen Herrschaftsbereich anzugliedern und drang auf die Einsetzung eines protestantischen Bischofs. Die Wahl fiel auf Nikolaus von Amsdorf, einen der engsten Freunde und Mitstreiter Martin Luthers. Amsdorf hatte seit 1524 als Superintendent in Magdeburg gewirkt. Begleitet von Martin Luther und anderen Wittenberger Theologen traf Amsdorf am 18. Januar 1542 in Naumburg ein. Man nahm Quartier im Haus der Witwe des Stadtschreibers Ambrosius Dörffer, heute Markt 13.

Nachdem am gleichen Tag auch der Kurfürst mit seinem Gefolge die Stadt erreicht hatte, begannen noch am Abend die Wahlverhandlungen über die Bischofseinsetzung mit den Räten der Städte Naumburg und Zeitz sowie den evangelisch gesinnten Stiftsständen. Insbesondere beim Naumburger Rat gab es Bedenken gegen die Einsetzung eines neuen Bischofs, da man sich durch die dem alten Bischof gegenüber geleistete Eidesverpflichtung an das Domkapitel gebunden sah. Diese Vorbehalte erzürnten den Kurfürsten, der nun sogar dazu bereit war, auch gegen den Willen der Stände Amsdorf als Bischof einzusetzen. Die sich anschließenden Verhandlungen mit den Theologen Luther, Melanchthon und Spalatin, die als kurfürstliche Berater wirkten, dauerten bis zum Abend des 19. Januar an. Es war insbesondere Luther, der die Stände mit dem Argument, ein päpstlicher Bischof könne kein christlicher Bischof sein, noch könne ein Christ einem päpstlichen Bischof gehorchen, von der Richtigkeit des kurfürstlichen Verfahrens überzeugte. Um sieben Uhr am Morgen des 20. Januar stimmten die Stände schließlich der geplanten Bischofseinsetzung zu. Zwei Stunden später begann die Ordination des weltweit ersten evangelischen Bischofs im Naumburger Dom.

Literatur

Peter Brunner: Nikolaus von Amsdorf als Bischof von Naumburg [Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte, Nr. 179]. Gütersloh 1961.

Andreas Lindner: Luther und Naumburg und die Reformation im Bistum Naumburg-Zeitz, in: Saale-Unstrut Jahrbuch 2 (1997), S. 20–31.

Öffnungszeiten

Beim Haus am Markt 13 handelt es sich um ein privates Wohn- und Geschäftshaus, das bis auf den Ladenbereich im Erdgeschoss nicht öffentlich zugänglich ist.