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Naumburg - Dom st. Peter und Paul

Für die meisten Besucher des Naumburger Domes steht der vom „Naumburger Meister“ und seiner Werkstatt um 1250 vollendete frühgotische Westchor mit seinen weltberühmten Stifterfiguren, darunter Markgraf Ekkehard II. und seine Gemahlin Uta, im Zentrum des Interesses. Weniger bekannt ist, dass der Naumburger Dom auch in der Reformationsgeschichte einen bedeutenden Platz einnimmt. Er war im Januar 1542 Schauplatz der Weihe von Nikolaus von Amsdorf zum weltweit ersten evangelischen Bischof, die von Martin Luther vollzogen wurde.

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Das Bistum Naumburg-Zeitz wurde 968 von Kaiser Otto I. gegründet. Seit 1028 befand sich der Bischofssitz in Naumburg. Als am 5. Januar 1541 der bisherige Bischof Philipp von Freising starb, wählte das Domkapitel Julius von Pflug zum neuen Bischof. Pflug nahm diese Wahl zunächst aber nicht an, sondern erbat sich Bedenkzeit. Diese Situation machte sich Kurfürst Johann Friedrich zu Nutze, um seine konfessionellen und politischen Absichten durchzusetzen. Es ging ihm dabei um die Einführung der Reformation im Bistum, schließlich aber auch um eine Eingliederung des Stiftsgebietes in sein Herrschaftsterritorium. Mit Nikolaus von Amsdorf war ein idealer Kandidat für das Bischofsamt gefunden worden. Amsdorf war ein enger Freund und Mitstreiter Martin Luthers, von adeliger Abstammung, ledig und fromm. Seit 1524 hatte er in Magdeburg als Pfarrer und Superintendent gewirkt.

Amsdorf erreichte am 18. Januar 1542 gemeinsam mit Martin Luther und anderen Wittenberger Theologen Naumburg und nahm Quartier im Haus der Witwe des Stadtschreibers Ambrosius Dörffer, heute Markt 13. Am Morgen des 20. Januar begann die Ordination des weltweit ersten evangelischen Bischofs im Naumburger Dom.

Teilnehmer der Bischofsweihe waren Kurfürst Johann Friedrich und dessen Bruder Johann Ernst als weltliche Schutzfürsten des Bistums. Hinzu kamen die Stiftsstände sowie die Ratsherren von Naumburg und Zeitz. Anwesend waren auch die evangelischen Geistlichen aus Naumburg sowie zwei Mitglieder des katholischen Domkapitels. Aus Naumburg und der näheren Umgebung war eine große Zahl von Gläubigen herbeigekommen.

Zunächst forderte Nikolaus Medler, seit 1536 Superintendent und Pfarrer der Naumburger Stadtkirche St. Wenzel, die Gemeinde zum Gebet des Vaterunser auf. Er verkündete den Anwesenden die Wahl Amsdorfs zum Bischof und erbat ihre Zustimmung. Darauf folgte die eigentliche Ordinationshandlung. Luther trat an den Kreuzaltar vor dem Ostlettner und hielt von dort eine Predigt. Er ging darin auf die Verantwortung und die Aufgaben, aber auch auf die Schwierigkeiten und die Bedrohungen ein, denen sich Amsdorf gegenübersah. Als die Predigt beendet war, trat Amsdorf vor und kniete auf der obersten Stufe vor dem Altar nieder. Ihm folgten der evangelische Abt des Naumburger Georgenklosters, Thomas Hebenstreit, sowie die Superintendenten aus Altenburg, Naumburg und Weißenfels, also Georg Spalatin, Nikolaus Medler und Wolfgang Stein, die Luther assistierten und als Mitordinatoren eine Stufe hinter Amsdorf niederknieten. Diese segneten den Bischof, indem sie unter einem Gebet ihre Hände auf dessen Haupt legten. Den Abschluss der feierlichen Zeremonie im Dom bildete die Inthronisation. Begleitet von Gesängen und Orgelklängen führte man Amsdorf in den Chor, wo er in Gegenwart der Fürsten, Räte und Geistlichen auf dem Bischofsstuhl Platz nahm. In allen Naumburger Kirchen erklangen die Glocken.

Am 21. Januar 1542 nahm Amsdorf im Beisein Luthers im Naumburger Rathaus die Huldigung der Räte und der Bürgergemeinde entgegen. Noch am selben Tag reiste er weiter nach Zeitz, um auf der dortigen Bischofsburg seine neue Residenz zu beziehen.

Literatur

Bericht über die Wahl und die Einführung des Nicolaus von Amsdorf als Bischof zu Naumburg, in: Neue Mitteilungen aus dem Gebiet historisch-antiquarischer Forschung 2 (1836), S. 155–228.

Peter Brunner: Nikolaus von Amsdorf als Bischof von Naumburg [Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte, Nr. 179]. Gütersloh 1961.

Ernst Hoffmann: Naumburg A. S. im Zeitalter der Reformation. Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt und des Bistums. Leipzig 1901.

Holger Kunde / Matthias Ludwig: Der Dom zu Naumburg. Berlin / München 2011.

Öffnungszeiten

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