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Merseburg – Dom St. Johannes der Täufer und Laurentius

Das Bistum Merseburg stand seit der Leipziger Teilung von 1485 unter Schutzherrschaft des albertinischen Herzogtums Sachsen. Erst nach dem Tod des altgläubigen Herzogs Georg im Jahr 1539 wurde auch in diesem Landesteil die Reformation eingeführt. Als im Januar 1544 der Merseburger Bischof Sigismund von Lindenau starb, setzte Herzog Moritz von Sachsen seinen Bruder August als weltlichen Administrator des Bistums ein. Zum „Beistand in geistlichen Angelegenheiten“ wurde Fürst Georg III. von Anhalt bestimmt. Er wurde am 2. August 1545 im Merseburger Dom von Martin Luther ordiniert. Der Reformator weilte bis zum 6. August in Merseburg und predigte mehrfach im Dom.

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Das Bistum Merseburg wurde im Jahr 968 von Kaiser Otto I. gegründet. Im Mai 1015 legte Bischof Thietmar von Merseburg den Grundstein für einen Kirchenneubau. Die letzte Bauphase, die bis heute das Erscheinungsbild des gotischen Domes prägt, wurde am Beginn des 16. Jahrhunderts vom Merseburger Bischof Thilo von Trotha eingeleitet. Die Weihe des Domes erfolgte 1517.
 
Seit der Leipziger Landesteilung von 1485 stand das Bistum Merseburg unter Schutzherrschaft des albertinischen Sachsens, das im Gegensatz zum ernestinischen Sachsen lange am alten Glauben festhielt. Auch das Bistum Merseburg war ein Bollwerk gegen die von Wittenberg ausgehende Reformation. 1520 wurde hier die von Johannes Eck publizierte päpstliche Bannandrohungsbulle öffentlich verlesen und angeschlagen. Ein Jahr später ließ der Merseburger Bischof Adolf von Anhalt Lutherschriften verbrennen. Auch der seit 1535 amtierende Bischof Sigismund von Lindenau war ein Gegner Luthers.
 
Erst mit dem Tod Herzog Georgs von Sachsen im Jahr 1539 und der Machtübernahme durch Herzog Heinrich wurde das albertinische Sachsen protestantisch. Nun begannen die Versuche, auch im Hochstift Merseburg die Reformation durchzusetzen und das Bistum in den Herrschaftsbereich der Albertiner einzugliedern. Anders als dies beim „Naumburger Bischofsexperiment“ von 1542 der Fall war, wurde in Merseburg allerdings die politische Gewalt des Bischofsamtes konsequent von der kirchlichen Gewalt getrennt. So setzte, als Bischof Sigismund im Januar 1544 starb, Herzog Moritz von Sachsen seinen Bruder August als weltlichen Administrator des Bistums ein. Zum „Coadjutor in spiritualibus“, also zum „Beistand in geistlichen Angelegenheiten“, wurde hingegen Fürst Georg III. von Anhalt bestimmt.
 
Fürst Georg, den man wegen seiner Glaubensfestigkeit auch „den Frommen“ nannte, war schon als Kind für den geistlichen Stand bestimmt worden. Im Alter von acht Jahren begann er seine geistliche Ausbildung. Als zwölfjähriger Schüler nahm er an der Leipziger Disputation zwischen Martin Luther und Johannes Eck teil. 1520 wurde er zunächst Stiftsherr im Merseburger Domkapitel, 1526 trat er sein Amt als Magdeburger Dompropst an. Seit 1529 war er Rat des Magdeburger Erzbischofs Albrecht. Er begann, die Schriften Luthers und Melanchthons zu lesen. Wie seine Brüder, die Dessauer Fürsten Johann und Joachim, bekannte er sich aber erst 1530 nach dem Tod seiner Mutter Margarethe von Münsterberg offen zur lutherischen Lehre.
 
Im Mai 1544 war Georg die Verwaltung der bischöflichen Aufgaben übertragen worden. Zu seinen Aufgaben gehörte es, die Einhaltung der Kirchenordnung zu überwachen, Synoden abzuhalten, Pfarrer zu unterweisen und zu examinieren sowie die geistliche Gerichtsbarkeit auszuüben. Da Georg ein geistliches Amt übernommen hatte, bedurfte es auch eines gottesdienstlichen Aktes der Amtseinführung. Auf Wunsch Georgs geschah dies durch Martin Luther persönlich. Luther erhielt die Bitte Georgs durch einen Boten übermittelt, als er sich Ende Juli 1545 in Leipzig aufhielt. Er befand sich damals auf dem Weg nach Zeitz, um dort Nikolaus von Amsdorf in dessen bischöflicher Residenz zu besuchen. 
 
Am 2. August 1545 vollzog Luther die Ordination Georgs im Merseburger Dom. Der Reformator blieb bis zum 6. August in Merseburg und predigte mehrmals im Dom – vermutlich von der um 1520 entstandenen Kanzel. Auch das Messgewand, das er damals getragen haben soll und das deshalb auch als „Luther-Mantel“ bezeichnet wird, hat sich in Fragmenten erhalten. 

Literatur

Peter Gabriel: Fürst Georg III. von Anhalt als evangelischer Bischof von Merseburg und Thüringen 1544 - 1548/50. Ein Modell evangelischer Episkope in der Reformationszeit. Frankfurt am Main u. a. 1997.

Georg III. Anhaltischer Fürst und Reformator in Mitteldeutschland. Katalog zur Ausstellung des Museums für Stadtgeschichte Dessau vom 21. September bis 18. November 2007, hrsg. von der Stadt Dessau-Roßlau, Amt für Kultur, Tourismus und Sport. Dessau 2007.

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Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz
Besucherservice Merseburger Dom
Domplatz 7
06217 Merseburg
Tel.: 03461 / 21 00 45
E-Mail: fuehrunpg@mersejwXxQburger-bHw3dom.deI6e
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