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Mansfeld-Lutherstadt - Luthers Schule

„In diesem Hause hat Dr. Martin Luther […] seinen ersten Schulunterricht erhalten.“ Dieser Satz steht auf einer Steintafel, die das Haus in der Junghunstraße 2 in Mansfeld-Lutherstadt schmückt. Tatsächlich befand sich an dieser Stelle einst die Mansfelder Trivialschule, die Martin Luther vermutlich ab 1491 besuchte. Das eigentliche Schulgebäude, schon ab dem 17. Jahrhundert mehrfach umgebaut, war Ende der 1990er Jahre in einem so schlechten Zustand, dass es wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Der Neubau wurde im November 2000 fertig gestellt und beherbergt heute die örtliche Stadtinformation.

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Lange Zeit hatte die sich unmittelbar an das heutige Rathaus anschließende Mansfelder Stadtschule als Luthers Schule gegolten. Erst mit dem 1916 von Rudolf Leers in den „Mansfelder Blättern“ veröffentlichten vierten Teil der „Mansfeldischen Chronica“ von Cyriakus Spangenberg und dem darin enthaltenen, um 1570 gezeichneten Stadtplan, konnte eine sichere Aussage über den Standort der Schule direkt neben der Mansfelder Stadtkirche St. Georg getroffen werden. Das Grundstück für die Schule hatte Peter Reinecke besorgt, wie Luthers Vater Hans Hüttenmeister in Mansfeld. Gemeinsam mit den anderen Talherren hatten sie die Gründung einer städtischen Lateinschule beschlossen, um ihren Söhnen vor Ort eine Ausbildung und damit den beruflichen Aufstieg zu ermöglichen. Das Entstehen städtischer Schulen im Mittelalter war eng mit der Herausbildung eines differenzierten Städtewesens verbunden, denn die Entwicklung von Handwerk, Handel und Geldwirtschaft hatte das Bedürfnis nach Bildung gesteigert. Lesen, Schreiben und Rechnen waren elementare Voraussetzungen für unternehmerischen Erfolg.

Das Datum von Luthers Schulbeginn ist nicht urkundlich belegt. Die lokale Geschichtsüberlieferung nennt den 1. April 1488. Allerdings hätte Luther dann schon im Alter von viereinhalb Jahren die Schule begonnen. Die handschriftliche Widmung in einer Bibel, die Luther 1544 seinem Freund Nikolaus Oemler zum Geschenk machte, könnte die Frage zwar zugunsten eines sehr frühen Einschulungsdatums entscheiden: „Meinem guten alten freunde Nicolao OmeleR der mich pustillen und kind, auff seinen Armen hat, ynn und aus der schulen getragen mehr denn ein mal […].“ Der 1475 geborene Oemler war allerdings acht Jahre älter als Luther, was auf einen deutlichen Größenunterschied zwischen beiden schließen lässt und deshalb auch einen späteren Schulbeginn plausibel macht. Der Luther-Biograf Martin Brecht jedenfalls legt Luthers Schuleinführung in das Frühjahr 1491. Traditionell begann das Schuljahr am Gregoriustag, das heißt am 12. März. Dann wäre Luther etwas älter als sieben Jahre gewesen. Vorschriften, die festlegten, ab welchem Alter und wie lange ein Kind die Schule zu besuchen hatte, gab es damals noch nicht. Die Entscheidung darüber oblag den Eltern.

Der Schulunterricht fand in spartanisch eingerichteten Räumen statt. Für die Schüler mussten oft niedrige Bänke genügen. Im Zentrum des Unterrichtes stand das sogenannte Trivium, das sich aus den Fächern Grammatik, Rhetorik und Logik zusammensetzte. Auch die Mathematik und die lateinische Sprache wurden erlernt. Ebenso gehörten das Beten und das Singen religiöser Lieder zum schulischen Alltag. Lehrer und Schüler wirkten bei Gottesdiensten mit, ja die Schule übernahm eine wichtige Rolle bei der Vermittlung christlicher Glaubensinhalte.

Luthers spätere Erinnerungen an seine Schulzeit waren nicht die Besten. Er empfand den Schulalltag – vor allem das Einpauken des Lateinischen – als übermäßig hart. Im Unterricht deutsch zu sprechen, zu fluchen oder sich schlecht zu benehmen wurde bestraft. Neben dem Schulstoff lernte der Knabe vor allem die Rute des Lehrers kennen. Für Luther war die Schule deshalb Hölle und Fegefeuer zugleich; die Schüler seien darin gemartert worden und hätten außer Angst und Zittern nichts gelernt. In einer seiner Tischreden ließ Luthers seine Zuhören wissen: „Es sind manche Präzeptoren [Lehrer] so grausam wie die Henker. So wurde ich einmal vor Mittag fünfzehnmal geschlagen, ohne jede Schuld, denn ich sollte deklinieren und konjugieren und hatte es nicht gelernt.“

Auch wenn sich Luther rückschauend negativ zu seiner Schulzeit und den unzulänglichen Unterrichtsmethoden äußerte, so ermöglichten später insbesondere die dort erlernten Kenntnisse der lateinischen Sprache ein Studium. Die allgemeinen Voraussetzungen für einen universitären Bildungsweg ließen sich in Mansfeld aber offenbar nicht erwerben. Deshalb schickte Vater Hans seinen Sohn nach Magdeburg. Gemeinsam mit seinem lebenslangen Freund Hans Reinicke besuchte Martin ab 1497 für gut ein Jahr die dortige Domschule.

Literatur


Fritz Wöhlbier: Hans Luther, Vater des Reformators. Ein Mansfelder Hüttenmeisterleben. Erzählt von Fritz Wöhlbier nach Akten der Mansfeldschen Kupferschieferbergbau AG zu Eisleben und hrsg. von André Gursky und Peter Lindner. Halle (Saale) 2000, S. 68–75.

Martin Brecht: Martin Luther, Bd. 1: Sein Weg zur Reformation 1483–1521. Stuttgart 2013, S. 24-26.

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