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Lutherstadt Eisleben – St. Annenkloster

Im Juli 1515 wurde in der Eisleber Neustadt ein Kloster der Augustiner-Eremiten gegründet. Unmittelbar danach begann der Bau eines Klostergebäudes, in dessen Dachgeschoss sich bis heute die Reste von Mönchszellen erhalten haben. Martin Luther, 1483 in Eisleben geboren, war an dieser Klostergründung unmittelbar beteiligt und als Distriktvikar seines Ordens für das Eisleber Kloster verantwortlich. Am Fronleichnamstag 1516 (22. Mai) nahm Luther gemeinsam mit seinem geistlichen Mentor Johann von Staupitz an der Weihe des Klosters teil.

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Im Juli 1515 reiste der Augustinermönch Martin Luther gemeinsam mit seinem geistlichen Mentor, dem Generalvikar der observanten Augustinerklöster Johannes von Staupitz in seine Geburtsstadt Eisleben. Dort führten sie Verhandlungen mit Graf Albrecht von Mansfeld über die Gründung eines neuen Klosters. Zwei Monate zuvor, im Mai 1515, war Luther in Gotha zum Distriktvikar der sächsisch-thüringischen Augustinerklöster gewählt worden. Er hatte damit einen beachtlichen Karriereschritt gemacht; ihm unterstanden nun 10 Klöster, die er zu beaufsichtigen und zu kontrollieren hatte. Mit der Gründung des Annenklosters in Eisleben kam ein elftes Kloster hinzu, das allerdings nicht lange bestehen sollte. Die von Luther ausgelöste Reformation führte schon 1523 zur Auflösung des Klosters. Bezeichnenderweise wurde der letzte Prior Kaspar Güttel der erste evangelische Prediger an der Eisleber St. Andreaskirche und der Reformator des Mansfelder Landes.

Die Entstehung des Augustinerklosters in Eisleben steht in einem engen Zusammenhang mit der Gründung der Eisleber Neustadt durch Graf Albrecht von Mansfeld. Die durch den Kupferbergbau expandierende Stadt musste räumlich erweitert werden. Und da die mittelalterliche Stadt nicht nur eine Sozial- sondern auch eine Sakralgemeinschaft war, bedurften die Bewohner der Neustadt der geistlichen Versorgung. Deshalb hatte Graf Albrecht schon im Februar 1513 von Erzbischof Ernst von Magdeburg die Erlaubnis zum Bau einer Kapelle in der Eisleber Neustadt erhalten. Im Oktober 1514 entstand aus der Kapelle eine Pfarrkirche und an diese sollte, so der Wille der mansfeldischen Grafen, ein Augustinerkloster angeschlossen werden. Für Staupitz war es naheliegend, Luther zu den entsprechenden Verhandlungen mit Graf Albrecht hinzuzuziehen, denn Luther kannte die Verhältnisse in der Grafschaft Mansfeld. Die eigentliche Klostergründung fand dann am 16. Juli 1515 statt. Graf Albrecht übergab die im Bau befindliche Kirche und Klausur dem Konvent der Augustinereremiten und wies ihnen die Pfarrei von St. Annen mit der Auflage zu, dort die Seelsorge zu versehen. Die Gründung wurde von den acht Mönchen des Konvents, sowie von Luther und Staupitz bestätigt.

In den folgenden Jahren hielt sich Luther wiederholt im Eisleber Annenkloster auf, so u. a. bei der Weihe der Klostergebäude am Fronleichnamstag 1516. An diesem 22. Mai nahm Luther gemeinsam mit Staupitz an der Fronleichnamsprozession teil. Später erinnerte sich Luther in einer seinen Tischreden an diesen Tag, der einen wichtigen Schritt hin zu einem neuen Christusverständnis markierte. Luther nahm im priesterlichen Ornat an der Prozession teil. Er folgte Staupitz, der die Monstranz mit der Hostie trug. Luther erschrak beim Anblick des in der Hostie gegenwärtigen Leib Christi derart, dass er aus Angst vor dem strafenden Gott zusammenbrach. Als er Staupitz später davon berichtet, forderte dieser ihn auf, seine Zweifel an einem gnädigen Christus aufzugeben, weil Christus nicht schrecke sondern tröste. Die Lutherforschung sucht bis heute immer nach dem Zeitpunkt von Luthers reformatorischer Erkenntnis. Die Fronleichnamsepisode macht deutlich, dass Luther im Mai 1516 noch nicht die Gewissheit von „sola fide, sola gratia, sola scriptura“ besaß. Den gnädigen Gott, der den Menschen allein durch das Versprechen seiner Gnade von der Sünde befreit, hatte Luther 1516 noch nicht gefunden.

Quellentexte

Aus einer Tischrede Martin Luthers

Es ist aus der Maßen schwer, daß ein Mensch gläuben soll, daß ihm Gott gnädig sei um Christus Willen, ob er wol ein großer Sünder ist. Ei, des Menschen Herz ist zu enge, daß ihm solchs nicht will eingehen, noch daß ers fassen könne! Da ich ein junger Mensch war, begab sichs zu Eisleben am Tag Corporis Christi in der Procession, da ich auch mit ging und ein Priesterkleid anhatte, daß ich für dem Sacrament, das Doctor Staupitz trug, so hart erschrak, daß mir der Schweiß ausbrach und nicht anders zu Sinn war, ich würde vergehen für großer Angst. Da nun die Procession aus war, beichtet und sagt ich mein Anliegen Doctor Staupitzen; der saget ‚Ei, Euer Gedanken sind nicht Christus.‘ Dies Wort nahm ich mit Freuden an und war sehr tröstlich. Ists aber nicht erbarmen, daß wir so schüchtern und schwachgläubig sind? Christus ergiebt sich unser selber mit Allem, daß er ist und hat, beut uns an seine himmlische ewig Güter, Gnad, Vergebung der Sünden, ewig Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit, heißt uns seine Brüder und Miterben: noch fürchten wir ins in der Noth und fliehen für ihm, da wir seine Hülfe und Trostes am meisten dürsten!

Quelle: D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe. Tischreden, 1. Band. Weimar 1912, S. 59

Literatur

Günther Wartenberg: Die Mansfelder Grafen und die Klöster im Mansfelder Land, in: Bete und Arbeite! Zisterzienser in der Grafschaft Mansfeld, hrsg. v. Esther Pia Wipfler und Rosemarie Knape. Halle/Saale 1998, S. 59-72.

Wilhelm Ernst Winterhager: Martin Luther und das Amt des Provinzialvikars in der Reformkongregation der deutschen Augustiner-Eremiten, in: Franz J. Felten / Nikolas Jaspert (Hrsg.): Vita Religiosa im Mittelalter. Festschrift für Kaspar Elm zum 70. Geburtstag [Berliner Historischen Studien, Bd. 31]. Berlin 1999, S. 707–738.

Reinhard Schmitt: Zur Baugeschichte des Eisleber Augustinereremitenklosters, in: Kohnle, Armin / Bräuer, Siegfried (Hrsg.): Von Grafen und Predigern. Zur Reformationsgeschichte des Mansfelder Landes [Schriften der Stiftung Luthergedenkstätten; Bd. 17]. Leipzig 2014, S. 335–363.

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